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Conchita Wurst, die »neosexuelle […] schöne junge Frau mit schwarzem Gesichtsbart« (S. 35), geboren in Österreich als Thomas Neuwirth, gewann 2014 den Eurovision Sound Contest. Hertha Richter-Appelt, »geborene Österreicherin […], wird es gefreut haben«, mutmaßt Volkmar Sigusch in Sexualität und Geschlecht. Er hatte schon 1998 in der Psyche den Begriff »neosexuelle Revolution« begründet und konstatiert nun als deren Folge u.a. »das Schrumpfen, Deregulieren und die Entwertung der traditionellen Familie und die Diversifikation der Intim- und Lebensformen« (S. 35). Neben den Hauptgeschlechtern Frau und Mann unterscheidet er Trans- und Intersexuelle, Transgender, Liquid Gender und Agender und zeichnet den Weg einer »Entleiblichung des Sexus und des Genus […]. Der psychoanalytische Genitalprimat rückt in noch größere Ferne. Gleichzeitig wird den alten Perversionen mit Ausnahme der Pädophilie und der Nekrophilie der Garaus gemacht« (S. 32).
Mehr als 50 % der Ehen werden hierzulande geschieden, und weltweit gibt es wohl 80 Millionen Leserinnen des Softpornos Fifty Shades of Grey, dessen Verfilmung Anfang 2015 deutsche Kinos und Baumärkte füllte. Was ist los mit uns Zeitgenossen? Die Soziologin Eva Illouz sieht im Hype um das graue BDSM-Märchen eine »neue Liebesordnung« (2013): Fifty Shades of Grey zeige, wie sich Geschlechterrollen so stabilisieren ließen, dass sie mit sexueller Freiheit und gewonnener Emanzipation kompatibel blieben. Die Darstellungen der Sexualpraktiken von Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung, Lustschmerz und Fesselungsspielen böten eine Lösung soziokulturell drängender Probleme und wiesen Wege, mit weit verbreiteten, vielfältigen und divergenten Beziehungs- und Rollenkonflikten moderner Gesellschaften umzugehen. Fifty Shades of Grey als Ratgeberliteratur?
Das »Sexuelle« ist einer der Schlüsselbegriffe der Psychoanalyse, seit Freud vor mehr als 100 Jahren den sexualwissenschaftlichen Diskurs entscheidend verändert hat, indem er menschliche S