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In seinem aktuellen Buch versucht der Biologe, Hirnforscher und promovierte Philosoph Gerhard Roth, zusammen mit der Neurobiologin Nicole Strüber, vorrangig eine Darstellung der neurobiologischen Prozesse, die sich bei der Entstehung und Manifestation psychischer Erkrankungen abspielen. Gleichzeitig geht es den Autoren darum, die Wirkungsweise und Wirksamkeit der Psychotherapie aus Sicht der Neurowissenschaften aufzuzeigen.
Den Anfang macht ein kurzer Abriss der abendländischen Philosophie und ihrer Suche nach dem Sitz der Seele, beginnend mit den Vorsokratikern bis hin zum aktuellen Stand der Forschung. Danach ist, laut Roth und Strüber, »die Suche nach dem Sitz der Seele erfolgreich beendet« und es kann »keinen vernünftigen Zweifel daran geben, dass das Gehirn die Seele hervorbringt« (S. 43). Gleichzeitig lehnen sie allerdings einen reduktionistischen Standpunkt ab und sehen das »Geistig-Psychische als einen emergenten Zustand, der unter sehr spezifischen physikalisch-chemisch-physiologischen Bedingungen […] entstanden ist« (S. 371). In diesem Zusammenhang weisen die Autoren aber auch darauf hin, dass die Psyche nicht innerhalb des Gehirns lokalisierbar ist, sondern ein Zusammenspiel vieler Bereiche innerhalb eines komplexen Netzwerkes darstellt.
Das erste Drittel des Buches beschäftigt sich mit der Beschreibung dieses Netzwerkes. Das beginnt mit der detaillierten und zum Teil sehr speziellen Darstellung von Aufbau und Funktion der einzelnen Gehirnareale sowie der Milliarden von Nervenzellen, über die Wirkungsweise von Neurotransmittern bzw. Neuromodulatoren bis hin zur Erklärung der sechs psychoneuralen Grundsysteme (Stressverarbeitung, Bindung, Impulshemmung, u.a.). Dem schließt sich eine Darstellung der frühkindlichen Gehirnentwicklung an, die zeigt, wie wichtig emotionale Zuwendung und die Erfahrung von Nähe gerade innerhalb der ersten zwei Lebensjahre ist. Was da zerstört wurde, kann oft nur noch schwer wiedergutgemacht werden - nicht zuletzt deshalb, weil dies