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Die psychoanalytische Kunsttheorie war und ist eine Herausforderung. Das beginnt schon mit der Frage des Status. Freud entwickelte seine Vorstellungen über Kunst unter verschiedenen Perspektiven. Das Spektrum ist weit gefasst: die 1907 erschienene Gradiva-Analyse ist eine Dichtungs-Interpretation, die berühmte Leonardo-Studie ist als psychoanalytische Biographie
angelegt, in der Abhandlung über den Moses des Michelangelo geht es vor allem um eine immanente Deutung, in Dostojewski und die Vatertötung werden die Neurosen des Dichters zum Thema. Ein vereinigendes Band scheint es zwischen diesen Arbeiten nicht zu geben. Dazu kommt, dass Freud sich dem Thema »Kunst« als Laie näherte. Freimütig bekennt er in der Moses-Studie seinen eingeschränkten Blickwinkel: »Für viele Mittel und manche Wirkungen der Kunst fehlt mir eigentlich das richtige Verständnis« (zit. nach Angeloch, S. 21).
Zurückhaltung war also geboten, und Freud äußerte sich oft denn auch eher skeptisch zu den Möglichkeiten der psychoanalytischen Ästhetik. Gleichwohl zog das Projekt von Anfang an Kritik auf sich. Man sah darin einen Übergriff, eine illegitime Erweiterung der Psychoanalyse, auf ein Gebiet, das mit dem ärztlichen und therapeutischen Handeln nichts zu tun hatte. Die Vorbehalte wurden durch Arbeiten bestätigt, in denen bestimmte Konstrukte der Psychoanalyse in holzschnittartiger Weise auf die Kunst angewandt wurden. Die heute viel gescholtene Pathographie und Biographik sah bekanntlich in den Kunstwerken Projektionen des Unbewussten und lenkte den Blick auf ihre Schöpfer.
Angesichts so mancher Kurzschlüsse auf dem Gebiet der psychoanalytischen Ästhetik sprach Adorno von einer »Banausie feinsinniger Ärzte« (zit. nach Angeloch, S. 29), die ihre »Kunst« an einem Gegenstand erprobten, von dem sie nichts verstünden. Psychoanalyse, so schrieb er ihnen ins Stammbuch, entschlüsselt auf ästhetischem Gebiet »Phänomene«, aber sie reiche nicht an das Phänomen Kunst heran.
Dominic Angeloch hat es in seiner