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So überraschend die Ergebnisse von Dornes' Beitrag (Dornes 2015) scheinen, so wenig überraschend wird vermutlich dieser Kommentar sein, vertritt er doch jene überkommene sozialkritische Position vergangener Zeiten, die, folgt man Dornes, getrost ad acta gelegt werden darf. Bereits alles gesagt und geschrieben, mit oder ohne Agamben. Wenn auch viele seiner Ausführungen auf den ersten Blick plausibel erscheinen, so dürfen nicht nur Zweifel angemeldet, sondern es soll insbesondere der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben werden, mit welch positivistischem Wissenschaftsverständnis des Psychischen Dornes die vorgelegten Daten interpretiert, einem Wissenschaftsverständnis, das bereits zur Jahrhundertwende vor über 100 Jahren überwunden hätte sein sollen. Empirie mahnt er an und meint wohl jenen überzogenen Empirismus, den in seiner Ausschließlichkeit Kaufleute, aber nicht Wissenschaftler betreiben sollten.
»Macht der Kapitalismus depressiv« lautet also die Fragestellung, und die Antwort folgt auf dem Fuße: Nein, wie sollte das auch gehen? Es gibt ja ein handelndes Subjekt. Dennoch darf das alte, aber wohl nicht wirklich rezipierte Argument bemüht werden, dass der Kapitalismus in seiner derzeitigen neoliberalen Form, auf die sich Dornes bezieht, nur allzu versiert darin ist, die Depression, die Depressivität, ja die psychische Störung an sich vermeiden zu helfen. Eine psychosoziale Dialektik oder auch nur eine Nachträglichkeit von Symptombildungen allerdings bleibt hierbei verschleiert, einer strengen Empirie in der Regel entzogen. Die Dialektik des Symptoms kann sich in allerlei Kulturpraktiken niederschlagen, die zumindest fragwürdig, je nach Perspektive aber auch klinisch auffällig sein können. Die Frage, ob der Kapitalismus depressiv bzw. psychisch krank macht, ist daher schon verkürzender, als ein Großteil der informierten Intelligenz behaupten wollte - deren Antwort bei Dornes jedoch, dessen Dateninterpretation geschuldet, an vielen Stellen ähnlich verkürzt ausfällt.