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Angst ist einer der zentralen Begriffe der psychoanalytischen Theorie und Klinik. Freud kennzeichnet sie als »das Grundphänomen und Hauptproblem der Neurose« (1926d, S. 175). Dennoch verfügt die Psychoanalyse über keine einheitliche Theorie der Angst. Ein Grund liegt in der Breite ihrer Phänomene, ein anderer in den metapsychologischen Grundannahmen der einzelnen psychoanalytischen Schulen, mit denen die Phänomene verstanden werden. So finden wir den allgegenwärtigen Pluralismus auch in der Theorie und Klinik der Angst. Zunächst werde ich die wichtigsten Sichtweisen der Angst darstellen, wobei mein Schwerpunkt auf Freuds Theorien liegt. Seine Schrift Hemmung, Symptom und Angst von 1926 ist immer noch einer der zentralen Texte der Psychoanalyse.
Affekte waren für Freud ein Entladungsphänomen. Durch sie wurde ein bestimmter Betrag an Erregung abgeführt. Angst ist für ihn der prototypische Affekt. In seiner frühen Theorie zur Angstneurose nimmt er an, dass die Sexualerregung, die keine direkte Befriedigung findet, psychisch nicht erledigt werden kann (Freud 1895b). Die aufgestaute libidinöse Erregung wird auf somatische Vorgänge abgelenkt und in Angst umgewandelt, ein Vorgang, den Freud allerdings nicht weiter erklären konnte. Die Angstneurose zählte er zu den Aktualneurosen. Freud dehnte dann seine erste Angsttheorie auf die Psychoneurosen aus. Immer wenn eine Triebrepräsentanz verdrängt wird, wird jeder damit verbundene Affekt, was immer er ursprünglich war, als Angst entladen. Die Angst geht aus der verdrängten Libido hervor. Die verdrängte Vorstellung und der damit verbundene Affekt haben unterschiedliche Schicksale: die Vorstellung - als der qualitative Anteil - wird über eine Kette von Ersatzbildungen verschoben, während der quantitative Anteil der Libido in Angst transformiert wird. Die Verdrängung avanciert zum zentralen Aspekt der Angsttheorie. Im Fall des »kleinen Hans« (Freud 1909b) verdrängt der Junge die zärtliche Regung für die Mutter ebenso wie seine ambi