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Dass die Angst nicht nur zu den Grundtatsachen der Conditio humana gehört, sondern auch in ihren vielfältigen Variationen ständig im Behandlungsalltag begegnet, ist Therapeuten durch ihre Lebenserfahrung und Arbeit mit den seelischen Problemen ihrer Patienten vertraut. Immer schon waren Menschen damit beschäftigt, Angst zu bewältigen, sie zu beherrschen oder sie zum Verschwinden zu bringen; zu Recht kann daher die Angst als eine der großen Motoren hinter der Entwicklung von Kultur und Zivilisation gesehen werden. Es ist deshalb auch nicht erstaunlich, dass das menschliche Denken sich seit jeher mit dem Thema der Angst befasst hat und sich kulturelle Produktionen verschiedenster Art ihr gewidmet haben. Mit der Psychoanalyse hat die Beschäftigung eine konkrete und viel differenziertere Form angenommen. Die Angst ist ein ständig wiederkehrendes Thema in psychoanalytischen Veröffentlichungen verschiedenster Provenienz, und eine Beschäftigung mit dem Thema Angst aus einer psychoanalytischen Perspektive führt daher zwangsläufig wie eine Reise durch die verschiedenen Provinzen psychoanalytischer Theoriebildung.
Es ist das Verdienst der kleinen Monographie Angst und Angststörungen von M. Ermann (2012), zunächst einen großen Bogen zu schlagen und das Thema Angst in einen allgemeinen menschlichen und kulturellen Zusammenhang einzuordnen, es gewissermaßen als ein normal-psychologisches Phänomen zu beleuchten und erst danach die klinisch-psychoanalytische Brille aufzusetzen. In insgesamt fünf Kapiteln, die auf einer Vorlesungsreihe basieren, die der Autor bei den Lindauer Psychotherapiewochen 2011 gehalten hat, breitet er diesen Ansatz aus: Nach einem Einführungskapitel, in dem Angst als »Thema der Menschheit«, im Zusammenhang mit der Kultur und schließlich im klinischen Kontext beleuchtet wird, bringen die folgenden Kapitel eine Darstellung der Konzeptualisierungen zum Thema in verschiedenen psychoanalytischen Denktraditionen. Zunächst werden die beiden Freudschen Angstkonzepte