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Sein X. Seminar hielt Jacques Lacan von November 1962 bis Juli 1963 in der Klinik Sainte-Anne in Paris. Als Buch erschien es 2004 in der Transkription von Jacques-Alain Miller; die hiernach erstellte, offizielle deutsche Übersetzung von Hans-Dieter Gondek liegt seit 2010 vor. Ich möchte mit den folgenden Bemerkungen dessen Lektüre nachdrücklich empfehlen, nicht ohne vorauszuschicken, dass es dazu einen langen Atem braucht und (wie immer bei Lacan) einen Umgang mit seinem nicht immer leicht erträglichen, manchmal hervorragenden, immer eigenwilligen Stil. Die Offenheit der mündlichen Rede geht in der Transkription tendenziell verloren, man sollte im Zweifel immer andere, im Netz zugängliche Transkriptionen hinzuziehen.
Lacan handelt in diesem Seminar von der Angst als grundlegendem und einschneidendem Affekt. Das ist anderer Stoff als »in den trockenen Jahren«, wie er selbst einmal rückblickend sagt, »als die Linguistik, ja sogar die Wahrscheinlichkeitsrechnung hier einigen Platz einnahmen« (S. 215). Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht etwas, das dem Spiel der Signifikanten entwischt. Die Angst ist »das, was nicht täuscht« (S. 93ff.), wie es im Seminar heißt, denn sie weist aus dem Feld der Sprache, in dem Täuschung und Wahrheit ihren Platz haben, heraus. Die Angst zeigt eine Berührung mit dem Realen an. So öffnet sich im Traum vom »Wolfsmann« das Fenster auf die angstauslösende Szene der im Baum sitzenden Wölfe hin, die Freud in seiner Deutung auf die Urszene bezieht - nicht erinnerbar, aber konstitutiv für das Subjekt. Sie ist real im Sinne Lacans und sie hat ein Übermaß an Erregung, mit Lacan: an Genießen ausgelöst, das, wie Freuds Rekonstruktion ergibt, den Knaben dazu brachte, ins Bettchen zu koten. Dieser in der Angst erfolgten Abtrennung spricht Lacan, wie weiter unten deutlicher werden wird, große strukturelle Bedeutung zu. Am Wolfsmanntraum zeigt Lacan außerdem, dass »die Angst einen Rahmen hat« (S. 97). Sie ist, wie hier vom Fenster eingerahmt, dem Phantasma