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«Was mich interessiert, ist die Scheidung und Gliederung dessen, was sonst in einen Urbrei zusammenfließen würde. […] Kurz, ich bin offenbar Analytiker und meine, die Synthese macht keine Schwierigkeiten, wenn man erst die Analyse hat« (Freud 1966a, S. 35f.). Für Lou Andreas-Salomé, die Adressatin des hier zitierten Freud-Briefs, sind Psycho-Synthese und Psycho-Analyse keine sich ausschließenden Gegensätze. Dies gilt zumal für ihre Theorie des Narzissmus, die den »Narzissmus als Doppelrichtung« (1921), d.h. als eine Ambitendenz von Selbstliebe und »Verwurzelung mit dem Urzustand« begreift, die den Menschen zur »Wiederverschmelzung mit allem« disponiere. Hier deutet sich eine Aufhebung von Freuds Triebpsychologie in späteren Ansätzen der Objektbeziehungstheorie und Selbstpsychologie an, die auch für den zu besprechenden Sammelband konstitutiv ist.
Dem vom Musikpsychoanalytiker Bernd Oberhoff herausgegebenen Band geht es kurz gesagt um den Freispruch des »ozeanischen Gefühls« vom Verdacht des präödipal fixierten Narzissmus und der malignen Regression. Und dieser Freispruch ist das implizite Plädoyer für eine synthetische(re) Psychoanalyse.
Zur Erinnerung: In seiner Schrift Das Unbehagen in der Kultur griff Sigmund Freud einen brieflichen Einwand des französischen Schriftstellers und Professors für Musikgeschichte Romain Rolland an der religionskritischen Schrift Die Zukunft einer Illusion auf: Die »eigentliche«, von Freud übergangene Quelle der Religiosität sei »ein besonderes Gefühl, das ihn [Rolland] selbst nie zu verlassen pflege, das er von vielen anderen bestätigt gefunden und bei Millionen Menschen voraussetzen dürfe. Ein Gefühl, das er die Empfindung der »Ewigkeit« nennen möchte, ein Gefühl wie von etwas Unbegrenztem, Schrankenlosem, gleichsam »Ozeanischem«. Dies Gefühl sei eine rein subjektive Tatsache, kein Glaubenssatz […], die Quelle der religiösen Energie […]. Nur auf Grund dieses ozeanischen Gefühls dürfe man sich religiös heißen, auch wenn man jeden Glaube