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Die interessantesten Beiträge zur Freud-Forschung entstehen dort, wo die Lehre des Meisters weniger Vorschrift ist, die es zu befolgen gilt, als Inspiration, die ein eigenständiges, kreatives Denken freisetzt. So ist es bei dem schönen Buch von Michael Molnar, das schon in seinem Titel, Looking Through Freud's Photos, beides verspricht: eine archivarische Durchsicht der Fotos, die der Autor zugleich hermeneutisch zu durchschauen sucht.
Von 1986 bis 2003 war Molnar als Forscher am Londoner Freud-Museum tätig und leitete es bis zu seiner Pensionierung 2009. In dieser letzten Phase entstand ein Großteil der zehn Essays, die im vorliegenden Band versammelt sind: Studien, die ihren Ausgang von einem bestimmten Foto und seiner präzisen Bildanalyse nehmen und sich dann - im Rückgriff auf Molnars reiches Wissen um die Geschichte der Psychoanalyse und der Familie Sigmund Freuds - zum Panorama einer Zeit und der in ihr lebenden Menschen auffalten.
Die ersten vier Fotos zeigen Freud selbst: einmal allein, ein weiteres Mal auf einem Arztkongress, zweimal im engeren und weiteren Familienkreis. Auf den restlichen Fotos sind sein älterer Halbbruder Emanuel zu sehen, drei seiner Kinder - Anna, Ernst, Oliver -, seine Nichte Angela und seine Enkelin Eva. »This is a family album«, sagt Molnar in der Einleitung über sein Buch und hebt damit den einen Strang seiner Nachforschungen hervor: das weite Familiennetz, in das Freud eingebunden war und ohne das der zweite Strang dieser Studien - die Geschichte und die Ambivalenzen der Psychoanalyse - nicht zu verstehen wäre.
Das einzige Foto, auf dem Freud alleine abgebildet ist, trägt die kalligraphische Unterschrift »Am historischen Eckfenster« und das Datum »Wien 17.6.1897«. Das Licht des großen Fensters fällt auf seine linke Gesichtshälfte, Freud steht an einer Wand mit Bildern, die er sich von seinen Reisen aus Italien mitgebracht hat. Diesem Foto widmet Molnar seinen ersten Essay, und hier lässt sich seine Methode paradigmatisch beobachten.
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