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Im Jahr 2013 fand an der Münchner Hochschule für Philosophie eine Tagung statt, in der es um den Dialog zwischen Philosophen und Psychoanalytikern zum Thema Religion ging. Das vorliegende Buch dokumentiert die Vorträge und Diskussionen dieser Tagung.
Der Band besticht durch seine gelungene Komposition. Zu den Themen »Subjekt, Postmoderne, Religionskritik und Religionsersatz« und »Transformation« werden jeweils zwei Vorträge und die Diskussion der Referenten mit dem Publikum präsentiert. In der Einleitung erläutert Eckhard Frick, was mit »Spiritual Turn« gemeint ist. Seit den 1990er Jahren wird dieser Begriff in der Religionssoziologie verwendet, um das Auftauchen eines neuen Typus des religiösen Subjekts zu benennen. Dieses grenzt sich ab von der Deutungshoheit religiöser Institutionen und nimmt in Anspruch, nach eigener religiöser Erfahrung und eigenem spirituellen Verständnis zu suchen. Der wissenschaftliche Blick erweitert sich über die religiösen Institutionen hinaus zu außerinstitutioneller und enttraditionalisierter Spiritualität, und auch innerhalb der Institutionen verändern sich Spiritualitätsdiskurs und spirituelle Praxis. Im Buch geht es um das sozialphilosophische und psychoanalytische Verständnis dieser Prozesse.
Freuds Religionskritik wird dabei als Markierungspunkt genommen. Kurz gesagt steht Freud für die These: Religion ist überholt, der Spiritual Turn für die These: Religion geht weiter. Die Autoren kommen nicht umhin, zu dieser Alternative persönlich Stellung zu nehmen, auch wenn sie das in Form komplexer Zeitdiagnosen tun.
In seiner Einleitung übersetzt Andreas Hamburger Freud in die Zweite Moderne und plädiert dafür, ohne metaphysische Verankerung zu leben. Wer jedoch in einer bodenlos gewordenen Welt nicht ganz ohne Stabilität auskommt, an die er noch glauben kann, dem räumt er die Alternative ein, die Transzendenz als Illusion zu pflegen, damit ohne ein Denkverbot zu verbinden. Er selbst zieht eine skeptisch-agnostische Haltung vor.
Roman Lesmeist