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Der 1920 in Lübeck geborene Philosoph Hans Blumenberg, der die Begriffe der Philosophie einer dekonstruktiv-narratologischen Lektüre unterzog, entstammte väterlicherseits einer Familie, die viele katholische Theologen und also Priester hervorgebracht hatte. Da seine Mutter jedoch aus einer jüdischen
Familie kam, galt er gemäß den rassistischen »Nürnberger Gesetzen« in der NS-Zeit als »Halbjude«, wurde als solcher verfolgt, zu Zwangsarbeit gezwungen und auch interniert - eine Lebensgeschichte, zu der er sich niemals ausdrücklich geäußert hat.
Anfang 2015 ist nun aus seinem Nachlass ein bisher unveröffentlichter kurzer Text »Moses der Ägypter« mit einigen Vorarbeiten publiziert worden. Der Herausgeber Ahlrich Meyer hat der Textsammlung die Überschrift Rigorismus der Wahrheit gegeben und damit versucht, den Grundtenor von Blumenbergs Schrift, eines Autors, der sich ansonsten so gut wie gar nicht für Freud und die Psychoanalyse interessierte, zu treffen. Gemäß dieser Edition ging es in dem jetzt veröffentlichten Text und seinen Vorarbeiten Blumenberg vor allem um das, was das »Judentum« seiner Überzeugung nach ist.
Tatsächlich analysiert er den späten Sigmund Freud mit seiner späten Schrift über »Moses den Ägypter« vor allem als Ausdruck einer bestimmten Form jüdischen Selbsthasses, eine Perspektive, die er dadurch verdeutlicht, dass er Freuds Moses in einem Zug mit Hannah Arendts Schrift Eichmann in Jerusalem untersucht. Bereits der erste Satz des unveröffentlichten Aufsatzes sagt so gut wie alles: »Moses, den Ägypter von pharaonischem Geblüt, hat Sigmund Freud zur Kränkung seines Volkes erfunden, wie er lange vorher, in der Nachfolge der Kränkungen durch Kopernikus und Darwin, die Menschheit mit dem Unbewußten gekränkt hatte« (S. 9). Kühl, aber dennoch vorwurfsvoll hält Blumenberg Freud vor, ausgerechnet 1939 »den Gedemütigten und Geschlagenen auch noch den Mann zu nehmen, der am Anfang ihr Vertrauen zur Geschichte begründet hatte« (S. 9). Der negative Bezug auf das j