You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dornes' Stellungnahme zu meiner Kritik (Dornes 2015b) hat mich vor die Frage gestellt, ob sie für mich überhaupt diskutabel ist. Gegen Ende seiner Erwiderung teilt er der Leserschaft seine Erwägung mit, sexuelle Bedürftigkeit zur Erklärung dafür herangezogen zu haben, dass seine Kritiker gegen seine Ausführungen Einwände erheben. Dornes entscheidet sich für ein »moralisches Superioritätsbedürfnis«, das er ihnen attestiert, was aber meiner Bemühung, meine Entgegnung für eine sachliche Erwiderung durch den Autor offen zu halten, nicht weniger äußerlich bleibt. Der belehrende Charakter seiner Erwiderung eignet sich eher nicht für eine Rekapitulierung meiner Sicht. Sie bestärkt mich allerdings in meiner anfänglichen Mutmaßung, dem Autor sei gar nicht klar, wie wenig seine epidemiologische »Beweisführung« mit dem Thema seines Artikels zu tun hat.
Meine Replik gab Dornes Gelegenheit, Zweifel an der Plausibilität seiner Argumentation auszuräumen. Diese Option entfällt nun. Ich fasse folglich lediglich zusammen, worin die Unzulänglichkeit seiner Einlassungen besteht, die von gleich drei Kritikern beanstandet wurden. Mit langatmigen epidemiologischen Ausführungen zum - wie jeder weiß - äußerst diffusen Krankheitsbild der Depression will er die Behauptung untermauern, dass die »Realprävalenz« insbesondere der Depressionen über die Jahrzehnte konstant geblieben sei.
Diese Konstanzbehauptung bleibt für die titelgebende Frage des Autors danach, ob der Kapitalismus depressiv mache, ohne erkennbare Folgen. Insoweit Dornes aus ihr den Schluss zieht, es gebe keinen überzeugenden ursächlichen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Lebensbedingungen und depressiven Erkrankungen, wird auch die von ihm aufgeworfene Frage hinfällig und mit ihr die ausschweifende Attacke gegen vorgeblich einschlägige Gesellschaftskritik.
Macht man sich hingegen die Annahme zu eigen, dass Depressionen in jedem Fall gesellschaftlich bedingt, hinsichtlich ihrer Genese für die Subjekte aber undurchschaubar - i