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Im Sommer 2015 fanden in Nordamerika zwei große psychoanalytische Kongresse statt. In Toronto/Kanada versammelte sich die International Association of Relational Psychoanalysis and Psychotherapy (IARPP) zu ihrer 12. Jahreskonferenz unter dem Thema The Relational Pulse. Controversies, Caricatures, and Clinical Wisdom.1 In Boston/USA veranstaltete die International Psychoanalytic Association (IPA) ihren 49. Kongress zum Thema Changing World. The Shape and Use of Psychoanalytical Tools Today.2 Während man bei der IPA - 1910 von Freud selbst gegründet - das »psychoanalytische Handwerkszeug« in einer sich verändernden Lebenswelt überprüfte, stand bei der relationalen Konkurrenz - 2001 in Opposition zur IPA aufgebaut - der theoretisch wie klinisch umstrittene »Relational Pulse« im Zentrum der Debatte. Wer wie der Berichterstatter (und mit ihm eine beträchtliche Zahl von Teilnehmern und Teilnehmerinnen mit Doppelmitgliedschaften) die Gelegenheit hatte, beide Kongresse zu besuchen, konnte miteinander vergleichen und studieren, was sich auf dem weiten Feld der internationalen Psychoanalyse an Entwicklungstendenzen abzeichnet. Darüber hinaus ließ sich meine eigene Prognose einer Modernisierung der Psychoanalyse überprüfen, die vor mehr als einem Jahrzehnt anlässlich einer vergleichbaren Tagungsreise in dieser Zeitschrift erschienen war (Altmeyer 2004): Entwickelt sich der psychoanalytische Gegenwartsdiskurs weiter in Richtung Inklusion, Wissenschaftsorientierung, Intersubjektivität oder gibt es andere Tendenzen? Um es vorwegzunehmen: In der Tat hat sich die Verständigung zwischen den konkurrierenden Schulen deutlich verbessert, hat die Hinwendung zu empirischer Forschung und interdisziplinärem Austausch erheblich zugenommen und scheint sich das Paradigma der Intersubjektivität schulenübergreifend durchzusetzen. Dafür ist ein neues Feld aufgetaucht, an dem sich die psychoanalytischen Geister scheiden: die zeitdiagnostische Deutung und soziokulturelle Bewertung der digitalen Mo