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Bonomi legt den ersten Band eines Projekts vor, das aufschrecken könnte. In der Psyche 5/1999 hatte er darüber berichtet, wie Ferenczis angeblicher »geistiger Verfall« von Interessierten als Gerücht herbeigeredet wurde. Um den nachwirkenden Intrigen-Schaden ausheilen zu helfen, hatte Bonomi mit Bollas, Etchegoyen, Kernberg, Roudinesco, Anne-Marie Sandler und Wallerstein eine Initiative zum Ankauf von Ferenczis Haus in Budapest gestartet (ferenczi.it), in dem er seine Patienten empfing und in dem das »klinische Tagebuch« geschrieben wurde. 2013 hat er einen großen Kongress zu Ferenczis Werk mitorganisiert und von ihm gelernt, dass man sich nicht in ausgetrampelten Pfaden der Tradition und Loyalitäten bewegen sollte, wenn man Interessantes entdecken will.
Ein erster Teil, »Medical context«, provoziert mit der Kapitel-Überschrift: »The castration of women and girls«. Die Beschneidung von Frauen im Wien Freuds war breit diskutierte Praxis, um hysterische Störungen zu »behandeln«. Lange Zeit dachten wir etwa so über die Ursprünge der Psychoanalyse: Freud habe in »splendid isolation« die sexuelle Ätiologie der Neurosen und die infantile Sexualität entdeckt, eine Entdeckung, die unter Verzicht auf die Verführungstheorie möglich wurde. Seine Selbst-Analyse galt als Ur-Tat eines einsamen Helden, mit der er Zugang zu einer neuen Psychologie fand. Einzig Wilhelm Fließ habe ihm beigestanden. Sexuelle Ätiologie, infantile Sexualität und Selbstanalyse bei der Entdeckung des Unbewussten - Bonomi wird mit dieser, von Jones in die Welt gesetzten Drei-Komponenten-Legende aufräumen. Die Realität weiblicher Kastration wurde verleugnet.
Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich zentral mit dem Zusammenhang von Emma Eckstein und Freuds Irma-Traum. Anzieu, der wohl beste Kenner von Freuds Selbstanalyse, hatte vermutet, dass der Irma-Traum eine traumatische Genese beherberge und auf »Reparation« des Traumas abziele; Freud habe ihn geträumt, um ein Tr