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Hale Usak-Sahin, die in Innsbruck Psychologie studiert hat, schreibt, sie sei bei ihrer Suche nach den Wurzeln der Psychoanalyse im Land ihrer Vorfahren »zum ersten Mal in meinem Leben« im Sommer 2006 nach Istanbul gereist. In den kommenden Jahren interviewte sie alle Psychoanalytiker in der Türkei, die bis 2010 eine anerkannte psychoanalytische Ausbildung abgeschlossen hatten. Das waren gerade einmal neunzehn (bei einer Bevölkerung von 73 Millionen). Diese Gespräche waren Bestandteil ihrer Dissertation über die Psychoanalyse in der Türkei, die jetzt als Sachbuch vorliegt - und auch ein sehr persönliches Buch geworden ist: »Mit der Dissertation konnte ich einen weiteren Schritt »back to the roots« wagen, da ich als österreichisch-türkisches Emigrantenkind […] die Möglichkeit erhielt, die - in meiner Welt lange im Verborgenen gebliebene - Urheimat näher kennen zu lernen«. Ein Vorteil für ihre Recherchen war die Zweisprachigkeit, die der Autorin half, unterschiedliche türkische Übersetzungen Freud'scher Schriften mit dem Original zu vergleichen und dabei etliche Missverständnisse und Fehlinterpretationen aufzuklären. Bleibt anzumerken, dass es bisher nur eine - in den 1990er Jahren begonnene - systematische türkische Übersetzung Freud'scher Werke gibt, deren Grundlage eine von James Strachey und Angela Richards besorgte englische Ausgabe ist.
Eine geregelte psychoanalytische Ausbildung ist in der Türkei erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts möglich. Und leider haben die in der Geschichte der Psychoanalyse nicht gerade seltenen Vereinskonflikte auch diesen Institutionalisierungsprozess beeinflusst. Eine dieser Streitfragen war die »Anerkennung früher durchlaufener Analysen bei ausländischen Institutionen«, die - wie so oft - mit »Autoritätsansprüchen« einherging. Die Grundzüge des