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Der vorliegende Band widmet sich »Modernen Pathologien«. Und es sind vor allem die Arbeiten zu diesem Schwerpunktthema, die das Buch zu einer spannenden Lektüre machen. Wie sollen z.B. Magersüchtige behandelt werden? Julian M. Stern beschreibt in »›Kein Zutritt‹. Einladung zur Intrusion oder
beides?«, angelehnt an Gianna Williams, Schwierigkeiten in der Übertragungsbeziehung, die sich bei einigen Magersüchtigen entwickeln können, die unbewusst dazu einladen, in sie einzudringen, etwa mittels Deutungen, die sie dann entschieden zurückweisen. Mit Gewinn können wir anhand zweier Stundensequenzen - eine aus dem ersten Jahr der Behandlung, als die Patientin einstündig kam, und eine aus dem zweiten Jahr, als sie zweistündig kam - nachvollziehen, wie Stern subtil mitagiert und die gemeinsamen Enactments dann doch zu einem besseren Verständnis der Patientin nutzen kann.
In ihrer exzellenten Arbeit zur Transsexualität, »Der Körper, den man hat, und der Körper, der man ist«, zeigt Alessandra Lemma, welche Funktion die transsexuelle Phantasie eines Patienten für sein seelisches Gleichgewicht haben kann. Sie tut dies aus einem objektbeziehungs- und bindungstheoretischen Blickwinkel, verwendet also einen anderen theoretischen Filter, als ihn etwa die triebtheoretisch orientierten Perversionstheorien anbieten, und sieht dadurch Neues. Sowohl in ihren acht Interviews mit Transsexuellen als auch in der fünf Jahre dauernden einstündigen »analytischen Psychotherapie« mit einer Mann-zu-Frau-Transsexuellen traf sie immer wieder auf zwei Themen: die Inkongruenz ihres tatsächlichen und ihres (gefühlt) wahren Körpers und das Selbst als visuelles Objekt. Damit der Körper, den man hat, zu dem wird, der man ist, braucht es ein einfühlsames, resonanzfähiges Objekt, das das Anderssein des Kindes/des erwachsenen Patienten, das/der sich in seinem Körper nicht richtig fühlt, sehen, aufnehmen und anerkennen kann. Mit ihrer visuellen Erscheinung machen diese Patienten aktiv auf diese Diskrepanz au