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Die nachfolgende, von Barbara Strehlow erstellte Übersetzung stellt die erste deutschsprachige Veröffentlichung von Susans Isaacs' Originalarbeit »The Nature and Function of Phantasy« aus dem Jahr 1948 dar. Allein dieser Umstand mag überraschend erscheinen. Denn Isaacs' Aufsatz gilt als einer der grundlegenden Beiträge zum psychoanalytischen Phantasiebegriff und nimmt in der Theoriedebatte eine zentrale Stellung ein.
Isaacs (1885–1948) stellte ihre diesbezüglichen Überlegungen am 27. Januar 1943 im Rahmen der »wissenschaftlichen Diskussionsreihe über kontroverse Fragen« innerhalb der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft vor (King & Steiner 2000 [1991], S. 364–428). Sie wurden zu einem zentralen Bezugspunkt der Controversial Discussions (1941–1945), in denen die Anhänger Anna Freuds und Melanie Kleins leidenschaftlich um ihre Überzeugungen rangen. Die Debatte über Isaacs' Vortrag wurde in fünf Diskussionsveranstaltungen bis zum 19. Mai 1943 fortgesetzt. Sie nimmt in den veröffentlichten Protokollen nahezu 200 Seiten ein (King & Steiner 2000, S. 428–621).
Die 1948 im International Journal veröffentlichte Arbeit enthält eine prägnante Zusammenfassung von Isaacs' Ansichten. In ihrer Argumentation ist sie bemüht, einerseits Sigmund Freuds Auffassungen mit den Entdeckungen Melanie Kleins aus der Kinderanalyse in Übereinstimmung zu bringen. Andererseits legt sie dar, dass das erweiterte Phantasiekonzept Kleins sehr wohl in Freuds Schriften eine Legitimation finden kann. Sie begreift die unbewusste Phantasie als Hauptinhalt unbewusster psychischer Prozesse und versteht sie damit als jenes Element, das unseren Triebregungen, Vorstellungen und Abwehrbemühungen Leben und Bedeutung verleiht.
Damit geht sie ebenso über Freud hinaus wie mit ihrer Auffassung, dass Phantasien schon unseren allerfrühesten Objektbeziehungen und Körpererfahrungen zugrunde liegen. Ihre Beschreibung der Phantasie als psychosomatischer Grenzprozess mutet ebenso mode