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Seit 1981 legte der Autor eine große Anzahl von Veröffentlichungen zu Diagnostik, Klinik und Psychotherapie des Zwangs vor. Dazu gehören auch eindrucksvolle Fallgeschichten. Der Haupttitel des neuen Buches von Hermann Lang nimmt die Charakterisierung auf, die er schon in einer wissenschaftlichen Publikation zu Zwangsstörungen im Jahr 1986 verwendete.
Was ist ein »gehemmter Rebell«? Ein Rebell lehnt sich gegen eine Ordnungsmacht auf, verweigert ihr Gefolgschaft und Respekt und bekämpft ihren Herrschaftsanspruch. Ein Rebell stört geregelte Abläufe, ist Sand im Getriebe, attackiert die Autorität. Und ein gehemmter Rebell? Auch er verweigert Gehorsam und stellt das System infrage. Doch ist er gebunden und unfrei. Er hat Angst vor den eigenen Regungen des Protestes, der Aggression, des Widerstands, der Zerstörungslust. Die Auflehnung bleibt stecken. Der Zweifel behindert die zielführende Tat. Aber die rebellischen Impulse erledigen sich nicht, sie verschaffen sich Raum im Untergrund, ohne zum Ziel zu kommen, sie laufen ins Leere, werden abgelenkt, unkenntlich gemacht, einem Regime der Selbstkritik und dem lähmenden Dauerzweifel unterzogen.
Und in der Tat, »maladie de doute«, Zweifelskrankheit, darf noch heute als prägnante Charakterisierung der Zwangserscheinungen gelten. Der Ausdruck wurde bereits 1866 auf einer Sitzung der Société médico-psychologique in Paris geprägt. Der Wiener Psychiater Richard von Krafft-Ebing verwendete den Begriff »Zwangsvorstellung« erstmals in der deutschen Fachsprache, vermerkt Lang (S. 12) und informiert im historischen Rückblick seines Buches, dass eine Reihe führender Psychiater, darunter Weidbrecht und Bleuler, bis weit in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts Zwangserscheinungen dem schizophrenen Formenkreis zurechneten. Bénédict Augustin Morel hingegen arbeitete charakteristische Merkmale von Zwangssymptomen in ihrer Vielfalt in differenzierten Fallbeschreibungen heraus und begünstigte eine Einschätzung der pathologischen Erscheinungen