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Das Interesse der Psychoanalyse gilt dem Unbewussten, das eine paradoxale Eigenart aufweist: Es ist abwesend, unsichtbar, dem willkürlichen Zugriff entzogen, nicht ohne weiteres für empirische Forschung operationalisierbar und doch ein ubiquitäres Phänomen, insofern Es immer und überall Effekte zeitigt, die man allerorts beobachten und im Rahmen geeigneter Settings systematisch verstehen und deuten kann. Mit der Institutionalisierung der Lehranalyse
wurde dieser Gegenstrebigkeit des Unbewusst-Psychischen früh Rechnung getragen. Wer Psychoanalyse im Hinblick auf berufliche Praxis »erlernen« will, muss zunächst Kontakt zum eigenen Unbewussten herstellen. Wie aber soll eine Vermittlung der »Wissenschaft vom Unbewussten« erfolgen, wenn dieser integrale Bestandteil der Selbsterfahrung, d.h. die Integration des Faktors »Subjektivität«, fehlt? Wie soll man Unbewusstes erschließen, wenn man es nur vom Hörensagen kennt?
Diese Fragen betreffen die Lehre an Universitäten, die besonders anfällig für das Hörensagen-Wissen zu sein scheinen. Zu oft versteckt man sich hinter »dem Diskurs« und ergeht sich in äquidistanter Abstraktion, die man zur »Objektivität« verklärt hat (vielleicht die akademische Form einer falsch verstandenen Abstinenzregel); genauso schädlich wäre es, dem zeitgeistigen Ruf nach Praxisorientierung unreflektiert nachzugeben und theorielose Handlungsanleitungen zu basteln statt theoretisch fundierte, forschungsgeleitete Lehre zu gestalten. Gibt es einen vernünftigen Weg der Vermittlung psychoanalytischen Wissens und Denkens zwischen diesen Polen? Wie soll bzw. wie kann Psychoanalyse an Hochschulen gelehrt und gelernt, wenn diese, wie die Herausgeber meinen, keine Wissenschaft wie jede andere ist, »die man sich rein kognitiv aneignen kann, ohne persönlich davon angesprochen zu sein« (S. 9)?
Ich bin selbst als Lehrender im psychoanalytischen Bereich einer bildungswissenschaftlichen Fakultät tätig, diese Fragen betreffen mich also ganz unmittelbar, und ich bin dank