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Die intersubjektive Wende der Psychoanalyse ist auch im deutschsprachigen Raum angekommen. Inzwischen wird das Paradigma der Intersubjektivität weitgehend anerkannt, nachdem es hierzulande lange Zeit ideologisch als Verrat und Revisionismus, methodisch als bloße Sozialpsychologie, klinisch als Verstoß gegen das Abstinenzgebot und kulturell als US-amerikanischer Import des flachen Zeitgeists denunziert worden war. Man kann insgesamt von
einer Modernisierung der Gegenwartspsychoanalyse sprechen, die in ihrer Entwicklungspsychologie die Befunde der empirischen Säuglingsforschung aufnimmt (primäre Intersubjektivität), in ihrer Grundlagentheorie zu einer Mehrpersonen-Psychologie übergeht (Intersubjektivität der seelischen Struktur) und in ihrer klinischen Theorie die analytische Situation als eine Begegnung versteht, bei der sich Therapeut und Patient, wenn auch in asymmetrischer Rollenverteilung, als Subjekte gegenübertreten, miteinander austauschen und gemeinsam etwas Neues schaffen (klinische Intersubjektivität).
Dieser Modernisierungsprozess lässt sich auch an einer wachsenden Zahl entsprechender Beiträge in psychoanalytischen Fachzeitschriften erkennen, und nicht zuletzt am Erscheinen von Übersichtsarbeiten und Sammelbänden. Ein solcher Sammelband, herausgegeben von Peter Potthoff und Sabine Wollnik, wird hier besprochen. Die Herausgeber, Fachärzte für psychosomatische Medizin und Psychotherapie und beide als Psychoanalytiker wie als Gruppenanalytiker ausgewiesen, haben sich für die klassische Unterscheidung von Theorie und Praxis entschieden.
Im praxisbezogenen Teil des Bandes werden durchweg erhellende und lehrreiche Beiträge versammelt: zur Familientherapie (Hans-Jürgen Wirth), zu Thea Bauriedls »Beziehungsanalyse« (Jürgen Maurer), zur Supervision (Heribert Blaß), zur Gruppenanalyse (Peter Potthoff), zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Johannes Döser), zur Körperpsychotherapie (Peter Geißler), zur mentalisierungsbasierten Psychotherapie (Helga Felsberger)