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»Du bist etwas anders ausgefallen als Math[ilde] und Soph[ie]«, schreibt Sigmund Freud im Juli 1914 seiner jüngsten Tochter, sie habe »mehr geistige Interessen« und würde sich wohl »mit einer rein weiblichen Tätigkeit nicht so bald zufrieden geben«. Dass seine Tochter »etwas anders ausgefallen« ist, war für Freud um diese Zeit eine durchaus beunruhigende Tatsache. Mit gemischten Gefühlen betrachtete er insbesondere die literarischen Projekte seiner Tochter. Anna Freud verfasste Gedichte und Prosaskizzen, arbeitete an einem Romanprojekt und übersetzte Lyrik aus dem Englischen.
Von alledem war bislang nur wenig bekannt. Man hatte von den Übersetzungen und von den Gelegenheitsgedichten gehört, die sie zu Geburtstagen des Vaters schrieb. Und in den Anna-Freud-Biographien von Uwe Hendrik Peters und Elisabeth Young-Bruehl konnte man einiges über die frühen dichterischen Versuche lesen. Dass hinter dem Schreiben ernsthafte literarische Ambitionen standen, zeichnete sich erst mit dem 2001 veröffentlichten Briefwechsel zwischen Anna Freud und Lou Andreas-Salomé und den fünf Jahre später erschienenen Briefen an ihren Vater ab. Brigitte Spreitzer hat nun die literarischen Arbeiten Anna Freuds in einer vorzüglichen Edition zugänglich gemacht. Der wesentliche Teil dieser Stücke ist in der Zeit zwischen 1914 bis Ende 1924 entstanden - der eigentlichen literarischen Schaffensphase.
Als Anna Freud sich später an diese Jahre erinnert, hat sie den literarischen Wert ihrer Arbeiten nicht sehr hoch veranschlagt. In der Zeit bevor sie Analytikerin wurde, habe sie den Wunsch gehabt, Dichterin zu werden, doch sei es ihr, trotz aller Anstrengung, nicht gelungen, »gute Gedichte« zu schreiben - Gedichte,