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Wer mit Theorie und Praxis von Analyse und Therapie jener befasst ist, deren Leben durch den Holocaust gezeichnet ist, hat sich daran gewöhnt, zwischen Generationen zu unterscheiden: zwischen einer ersten Generation, die gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen ist, der Generation ihrer Kinder, deren Existenz oft genug vom Leiden ihrer überlebenden Eltern geprägt ist sowie - neuerdings - von deren Kindern, deren Erfahrungen die US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin Marianne Hirsch mit dem Begriff »Postmemory« belegt hat. Wie ist es aber um jene vergleichsweise kleine Gruppe von Überlebenden bestellt, die schon als Kinder, als sehr kleine Kinder die Hölle von Konzentrations- und Vernichtungslagern überstanden haben? Zu welcher Generation gehören sie? Welchen Anteil hat die Lagerhaft an ihrer weiteren psychischen Entwicklung?
Darüber gibt jetzt eine einzigartige Lebensgeschichte Auskunft: Die in München lebende und wirkende Psychotherapeutin Eva Umlauf hat - gemeinsam mit der Journalistin Stefanie Oswalt, die für die überaus luzide sprachliche Seite dieser Erinnerungen verantwortlich zeichnet - ihre persönliche Lebensgeschichte unter dem Titel Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen veröffentlicht. Dieser Titel ist einem Gedicht entnommen, das ein Freund der Autorin, Jan Karsai, für sie verfasst hat.
Eine Schlüsselszene schildert, wie ihre ebenfalls überlebende Mutter in den 1950er Jahren in München die inzwischen zu einem großen Mädchen gewordene Tochter einem Medizinprofessor vorstellt, der als Arzt bei der Befreiung von Auschwitz die Autorin, damals ein schwerstkrankes, dramatisch abgemagertes kleines Mädchen, sah und ihrer Mutter mitteilte, dass dieses Kind nicht überleben werde.
Die Forschung zu den nationalsozialistischen Vernichtungslagern konnte inzwischen klären, dass alte Menschen, Frauen und Kinder bei weitem die höchste Anzahl jener, die durch Vergasung ermordet wurden, stellten. Ohne sich selbst bewusst erinnern zu können, weiß Ev