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Um den Ernst dessen, was »Psychoanalyse« ist und um was es in ihr geht, auch nur annähernd zu verstehen, muss man sich dem, womit sie es zu tun hat, ihrem Gegenstand, aussetzen. Das Unbewusste kann man nicht erklären, sich zeigen oder gar vorführen lassen, man muss es in seinen Manifestationen erfahren. Es ist archaisch; raum-, zeit- und gestaltlos; weder »strukturiert« noch gar »wie eine Sprache«; es ist nicht domestizierbar, weder »gut« noch »böse«, sondern amoralisch und folgt Gesetzen, die denen, die wir kennen, anerkennen oder gerade noch akzeptieren, in einer Weise und mit einer Macht zuwiderlaufen, von der wir - buchstäblich - nur träumen können. Freud (1933a, S. 580) beschrieb das Es als »Chaos«, einen »Kessel voll brodelnder Erregungen«; »es hat keine Organisation, bringt keinen Gesamtwillen auf, nur das Bestreben, den Triebbedürfnissen unter Einhaltung des Lustprinzips Befriedigung zu schaffen«. Eine unter vielen möglichen Definitionen charakterisiert Psychoanalyse denn auch als Wissenschaft von dem, was niemand wissen will.
Was das bedeutet, welches Ausmaß das hat und welche Konsequenzen das nach sich zieht, kann man vielleicht nirgends besser lernen als in der Auseinandersetzung mit Wilfred Bions Werk. »Anyone who is going to see a patient tomorrow should, at some point, experience fear«, heißt es etwa in seinen Brazilian Lectures. »In every consulting room there ought to be two rather frightened people: the patient and the psycho-analyst« (Bion 1990, S. 5). Und in The Dawn of Oblivion, dem letzten Teil seiner Romantrilogie A Memoir of the Future, lässt Bion den P.A., eines seiner Alter Egos, auf die Frage, um was es in der Psychoanalyse gehe, sagen:
»If a psycho-analyst is doing a proper analysis then he is engaged on an activity that is indistinguishable from that of an animal that investigates what it is afraid of - it smells danger. An analyst is not doing his job if he is investigating something because it is pleasurable or profitable. Patients do not