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Eine »unbeugsame Frau« wurde sie schon oft genannt. Margarete Mitscherlich, die 2012 im Alter von 94 Jahren verstorbene »große alte Dame der deutschen Psychoanalyse« (S. 14), die selber »das Ende der Vorbilder« verkündet und den »Nutzen und Nachteil« der Idealisierung gnadenlos unter die Lupe genommen hat, kann ohne weiteres als Idealgestalt einer Psychoanalytikerin, ja fast als Legende bezeichnet werden. Zusammen mit ihrem Mann Alexander Mitscherlich, aber auch selbstständig nach seinem Tod, hat sie die aktuellen Debatten in der Psychoanalyse nicht nur bereichert, sondern diese durch ihren Mut zur Provokation auch befruchtet und vorangetrieben. Ihre vielfältigen Aktivitäten und Funktionen, z.B. als Herausgeberin der Psyche und als Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt, haben ihr einen beinahe monumentalen Status verliehen.
Die 2014 veröffentlichte Gedenkschrift zu Ehren der Margarete Mitscherlich verwahrt sich gegen diese Monumentalität. Mitscherlich und ihr Lebenswerk werden in einer Reihe von Aufsätzen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um ihren Beitrag auf den Gebieten Psychoanalyse, Gesellschaftskritik und Feminismus zu profilieren. Obwohl die Autoren ihre Bewunderung für Mitscherlich nicht verschweigen, zeichnen sich die im Band versammelten Texte durch das Bemühen um Objektivität und Sachlichkeit aus. Sogar Autorinnen, die Mitscherlich persönlich kannten, beschränken sich auf die Übermittlung nur »einige[r] Eindrücke« von Mitscherlich (S. 9). Nirgends findet man den Versuch einer umfassenden, erschöpfenden oder abgerundeten Darstellung bzw. Deutung der Persönlichkeit Mitscherlichs. Die Fokussierung auf Margarete Mitscherlich wird sogar an mehreren Stellen durchbrochen - etwa mit der Charakterzeichnung der widerständigen Edith Jacobson (im Beitrag von Ingrid Moeslein-Teising) oder durch die Vorstellung ethnopsychoanalytischer Forschungen bei den Mosuo in Südchina (im Beitrag von Maya Nadig). Mehrere Texte (z.B. von Katharina Liebsch und vo