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Die »Affäre Böhmermann« um das Schmähgedicht des TV-Satirikers an den türkischen Präsidenten Erdoğan verdeutlichte zuletzt wieder die Wirkmächtigkeit von Worten. Bereits 2012 war dazu ein von Emil Angehrn und Joachim Küchenhoff herausgegebener Sammelband über Macht und Ohnmacht der Sprache aus philosophischer und psychoanalytischer Perspektive erschienen. Darin unterstreicht der Jenenser Philosoph Thilo Wesche die zentrale
Bedeutung der Sprache für die Kritik an politischen Handlungen und Urteilen. Wesche setzt bei der Konzeption von Jürgen Habermas an, wonach Sprache immer schon Politik und Ratio vereint, und fragt, wie es mittels Sprache gelingt, das Denken anderer zu verändern. Dass Wesche seine Thesen anhand der Windmühlenkämpfe des edlen Ritters Don Quixote entwickelt, macht seine Untersuchung besonders lesenswert.
Dabei hat das Nachdenken über Sprache seinen Ausgangspunkt natürlich schon weit vor dem Ritterroman gehabt. Emil Angehrn verweist neben den einschlägigen Sprachphilosophen von Humboldt, Herder, Heidegger, Cassirer und Gadamer daher auf Platons antiken Dialog Kratylos und dessen Ausgangsfrage, inwieweit das Wort in sich das Ding selbst abbilde. Nicht nur verbale Aussagen können ja richtig oder falsch sein, sondern auch Namen oder Bezeichnungen, mit denen das Wesen von Dingen adressiert wird. Zwei konträre Tendenzen der Sprachphilosophie berühren sich hier: semantischer Naturalismus und Konventionalismus. Aber auch Freud gelangte bekanntlich in den Studien über Hysterie zu der Frage nach der Existenz eines Sprachursprungs - also inwieweit der sprachliche Ausdruck einmal wörtlich gemeint gewesen sei und die Hysterie den ursprünglichen Wortsinn wiederherstelle. Angehrn wiederum sieht in der Sprache ein Medium des Sinns. Allerdings tendieren hermeneutische Konzeptionen dazu, jenen Sprachsinn auszublenden, der im Akt des Sprechens oder auch aus vor- und außersprachlichen Formen entsteht.
Weil Sprechen bisweilen durchaus auch sinnbefreit wirkt, erkundet de