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Mit ihrem Artikel in der Psyche hat Christiane Ludwig-Körner (2015) einem breiten Publikum ihre Gedanken zur Säuglingsbeobachtung darstellen können. Zur Diskussion, die sie damit eröffnet hat, möchte ich - auch nach Gesprächen mit Kolleginnen, die die Säuglingsbeobachtung wie ich seit Jahren durchführen - einige Gedanken beitragen.
Ludwig-Körner stellt fest, dass die Säuglingsbeobachtung inzwischen zur Standardmethode in der psychoanalytischen Ausbildung (insbesondere für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) geworden ist, und mahnt an, die Entstehung des Verfahrens in seinem zeitgeistbezogenen Kontext kritisch zu hinterfragen. Es ist immer gut, Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen. Allerdings hat Ludwig-Körners Hinterfragen schon in der Einführung einen polemischen Unterton. Sie behauptet u. a., dass »stillschweigend« davon ausgegangen werde, für die Kinder sei die Beobachtung »angenehm« (Ludwig-Körner 2015, S. 1163). In der Säuglingsbeobachtung stellen wir durchaus differenzierte Reflexionen über die Auswirkung der Beobachtung auf die Babys an (Lazar 1993; Maiello 2007; Rhode 1997), bei denen es allerdings nicht um das Kriterium »angenehm« geht. Bei Ludwig-Körner wird der Beobachter als egoistischer Ausbildungskandidat eingeführt, der für seine spätere Arbeit profitieren will und dafür in Kauf nimmt, für das Kind ein traumatisierender »ghost in the nursery« zu sein. Was das über zwei Jahre andauernde, verlässliche Interesse an Baby und Mutter für eine Wertschätzung bedeutet, würdigt sie in keiner Weise.
Im Folgenden beschreibt Ludwig-Körner ausführlich die Entstehungsgeschichte der Säuglingsbeobachtung. Sie schätzt den Erkenntnisgewinn über die frühkindliche Entwicklung, den Beziehungsaufbau und die Sensibilisierung für frühe Prozesse. Indem sie die Beziehung zwischen Kind und Beobachter bzw. zwischen Mutter und Beobachter als »Einbahnstraße« bezeichnet, verkennt sie jedoch die Bedeutung von Aufnahme und Containment für eine Beziehung. Auch würdigt sie nicht,