You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Nachdem es zuletzt zu Beginn der 1990er Jahre eine nennenswerte internationale Diskussion um die Haltung der Psychoanalyse zur Homosexualität gab, ist diese nach einer fast zwanzig Jahre währenden Latenz in den vergangenen fünf Jahren wieder aufgeflammt. Nach den damaligen Auseinandersetzungen in der American Psychoanalytic Association (APsaA) um die Zulassung offen homosexueller Kandidatinnen und Kandidaten war die Diskussion in den Regionen und Gesellschaften weitergeführt worden, und es ist kaum überraschend, dass aktuell deutlich wird, dass diese Diskussionen zu sehr unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen geführt haben. Davon zeugen die beiden Bücher, die beinahe zeitgleich 2015 zum Kongress der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) in Boston erschienen sind und die Gegenstand dieses Essays sind.1
Darüber hinaus erschienen einige wichtige psychoanalytische Zeitschriften mit entsprechenden Schwerpunkten: Psychoanalytic Psychotherapy, die britische Zeitschrift für Psychoanalyse im öffentlichen Gesundheitssystem NHS, machte den Auftakt Ende 2011, gefolgt von einer Konferenz des British Psychoanalytic Council, dem Dachverband der psychoanalytischen Gesellschaften, zum Umgang mit dem Erbe der Vergangenheit. Hintergrund war hier eine verschärfte Antidiskriminierungsgesetzgebung, auf die nun auch die britische Psychoanalyse reagieren musste (wie auch die IPA ihre Antidiskriminierungsrichtlinien erneut aktualisieren musste). Im Zuge der gesellschaftlichen Debatte um die Ehe für alle in Frankreich fühlten sich in den Jahren 2012 und 2013 auch Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker der verschiedenen Orientierungen berufen, Stellung zu nehmen. Die österreichische Zeitschrift texte dokumentierte die Beiträge einer Tagung der Arbeitskreise für Psychoanalyse im Februar 2015 zum Thema »Homosexualitäten«. Schließlich thematisierte die Psyche im Juli 2015 »Sexuelle Verhältnisse« mit dem Schwerpunkt