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Bernd Nissen gilt als profunder Kenner der Theorie und Behandlungstechnik der Hypochondrie. Im vorliegenden Buch widmet er sich einer Zusammenstellung von deren klassischen und zeitgenössischen Konzeptionen. Das ist keine einfache Aufgabe, gerade im Doppelanliegen einer zugänglichen Einführung und einem Herausarbeiten der feinen, teils widersprüchlichen theoretischen Differenzierungen bei verschiedenen Autoren. Nissen formuliert daher, er wolle »implizit-intuitiv« bestimmen, was Hypochondrie sei, das Phänomen umkreisen und Konzeptualisierungen für sich sprechen lassen (S. 7). Natürlich tut er dann mehr, denn immer wieder erfolgen auch kritische Prüfungen unterschiedlicher Ansätze, und am Ende legt er ein, teils aus anderen Veröffentlichungen bekanntes, höchst überzeugendes eigenes Modell vor.
Das Buch unterteilt sich im Wesentlichen in Kapitel zu den theoretischen Modellen (frühe und neuere), zu klinischen Beschreibungen von Behandlungen hypochondrischer Patienten, zu Gedanken zu den entwicklungspsycho-pathologischen Bedingungen der Erkrankungen und zum eigenen Modell, in dem die Annahme einer autistoid-traumatischen Einkapselung im Zentrum steht. Als Leser bekommt man so zunächst einen Überblick über die Bedeutung des Narzissmus für die Hypochondrie und damit in klassischer psychoanalytischer Auffassung auch einen ersten Hinweis auf die Nähe zu psychotischen Strukturelementen und Ängsten. In kleinianischer Hinsicht wird die Annahme eines Versagens der Projektionsmechanismen dargelegt und die Figur entstehender Verfolgungsängste im Zusammenhang von »Projektions- und Introjektionszyklen« (so H. Rosenfeld), die das Organ betreffen. In objektbeziehungstheoretischen Betrachtungsweisen stehen das Trennungstrauma und die Frage nach der psychischen Unintegriertheit im Mittelpunkt. Mit Bion geht es um die Versehrtheit der »Alphafunktion«, um nicht oder nur teilweise gelingende Transformationsprozesse und fehlendes Containment. In neueren psychoanalytischen Ansätzen finden si