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Freud war ein ausgezeichneter Stilist - dieser Feststellung dürften selbst Kritiker der Psychoanalyse zustimmen. Dass seine Krankengeschichten »wie Novellen« (1895d, S. 227) zu lesen seien, hat er selbst schon früh angemerkt. Das Thema gehört zum Bestand der Wissenschaftsgeschichte. Interessant wird diese Problematik, wenn man sich auf eine Eigenart von Freuds Methodik selbst besinnt. So führt er etwa in der Traumdeutung vor, wie ein formaler Aspekt des Traumgedankens eine inhaltlich relevante Funktion übernimmt. Weil das Unbewusste kein »Nein« kennt (1900a, S. 323), kann der Traum eine Verneinung oder Umkehrung nur dadurch ausdrücken, dass ein »Stück des schon gebildeten Trauminhaltes - gleichsam nachträglich - umgekehrt wird« (S. 331). Aber welches? Weil man »von keinem eines Gegenteils fähigen Element weiß, ob es in dem Traumgedanken positiv oder negativ enthalten ist« (S. 323), gibt es kein objektives Kriterium dafür, welche Abschnitte des Traumgedankens nun ins Gegenteil verkehrt wurden. Man kann den Traum also nicht durch eine empirisch verifizierbare Methode verständlich machen. Jeder einzelne Traum muss neu gedeutet werden.
Dabei erfüllt die Stilistik nicht die aus der klassischen Rhetorik bekannte Funktion bloßen Redeschmucks. Aber nicht nur in Träumen, sondern auch bei Fehlleistungen, Witzen und Symptomen wirkt Metaphorik »als die epistemische Form selbst« (Senarclens de Grancy, S. 22): Damit ist das Thema umrissen, an dem Moritz Senarclens de Grancy sich in seiner Studie über die »Sprachbilder des Unbewussten« abarbeitet.
Wer mit Jacques Lacans Rückkehr zu Freud vertraut ist, wird sich an dessen Grundgedanken des sprachlich strukturierten Unbewussten erinnern, wonach »das Symptom eine Metapher ist« und es »nicht eine Metapher ist, dies zu sagen« (Lacan 1957, S. 55). In der Lacan-Rezeption wird dieses Kerngeschäft der Psychoanalyse gerne weiträumig umfahren. Auch Senarclens de Grancy geht auf Lacans Sprachkonzept nur am Rande ein - doch das ist keine Schwäch