You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Du »wirst gespielt, es spielt dich […], du kannst dich ganz hingeben, und es funktioniert, es fließt: die Musik erklingt vollkommen frei und mühelos« (S. 108). So beschreibt der Jazzgeiger Ulli Bartel das Erlebnis der musikalischen Improvisation. »Das Unübersichtliche, das Unbewusste, das Assoziative, das Unmittelbare, das Unberechenbare, das Geheimnisvolle, das Unverstehbare, das Endlose, das Labyrinthische« (S. 44) geht hier einher mit der stetigen Stütze basaler musikalischer Strukturen, die sich wiederholen und formelhaft fixierbar sind.
Der von Konrad Heiland, einem ärztlichen Psychotherapeuten und Musiktherapeuten, herausgegebene Sammelband bringt diese spannungsgeladene Balance auf die Formel des »kontrollierten Kontrollverlusts« und erläutert das Phänomen mit Konzepten der Psychoanalyse: Der Kontrollverlust im Jazz, so die leitende These des Bands, bewirkt eine Auflockerung von Widerständen und Abwehrmechanismen; die »Durchlässigkeit für Signale aus dem Vorbewussten oder gar unbewusstem Raum« ist erhöht und wird als »Freiheitsgewinn« erlebt (S. 10).
Dies gibt Anlass zu einer triebpsychologischen Konzeptualisierung des Jazz: Das dynamische Pulsieren jazzspezifischer Rhythmen legt nahe, diese Musik als »maskierte Sexualität« (S. 147) aufzufassen, deren »Improvisationen einer