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Einleitend möchte ich in wenigen Worten definieren, was wir »psychoanalytische Ethik« nennen und was diese im Gegensatz zu anderen Ethiken im Therapie- und Pflegebereich auszeichnet.
Eine Frage vorab: Gibt es eine psychoanalytische Ethik oder mehrere Ethiken, je nach in Europa vorliegenden psychoanalytischen Denkströmungen? Und weiter: Könnte die psychoanalytische Ethik Gegenstand einer gemeinsamen Debatte zwischen den verschiedenen Strömungen werden? Besteht die Ethik doch, anders als die Moral, aus Widersprüchen, divergierenden Interessen, und nicht aus einem Konsens, auch wenn sie auf eine Übereinkunft zielt. Ihr methodologisches Prinzip gründet in der Kritik im Sinn des Fragens und in der fortwährenden Suche nach Rechtfertigung unseres Tuns.
Worauf beruhen also die Prinzipien, die hier zu befragen die analytische Ethik uns veranlassen könnte? Wenn wir auf die Grundlagen der Psychoanalyse zurückgehen, wie sie Freud postuliert und Laurence Kahn in Erinnerung gerufen hat, dann könnte die psychoanalytische Ethik auf die Anwendung der Methode1 zurückgeführt werden: freies Assoziieren auf Seiten des Patienten, freischwebende Aufmerksamkeit und Suspendierung jeder Repräsentation von Ziel oder Gratifikation auf Seiten des Analytikers. Diese Abstinenz beruht auf der Analyse der Gegenübertragung (und der Analyse des Analytikers). Die unvermeidlichen Brüche der Methode würden die Dimension ethischer Fehler annehmen, wenn das von ihnen Induzierte nicht durch Patient und Analytiker bearbeitet werden kann.
Idealerweise würde die strikte Anwendung der Methode zu einer größeren Autonomie des Ichs und, damit einhergehend, zu einer spontanen Aufhebung