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Wie Claire-Marie François-Poncet in ihrer Einleitung und in ihrem Beitrag zum Sammelband über die Ethik in der Psychoanalyse (2011) hervorhebt, begreift Freud die Psychoanalyse nicht außerhalb der Konfrontation - sei es mit einem Kollegen oder einem Gegner, diesem imaginären Widersacher, in dem sich die Tiefe der Debatte niederschlägt, die Freud mit sich selbst und mit seinem Gegenstand führt.
Aus derselben Perspektive ist die Konfrontation mit Kollegen aus Gesellschaften mit stark divergierenden theoretischen wie klinischen Konzeptionen wesentlich. Auch wenn sie schwierig bleibt. Frankreich ist der lebende Beweis dafür: Die Spaltungen im Umkreis von Lacan, die weniger mit der Orthodoxie als solcher zu tun hatten als mit Modalitäten der klinischen Praxis, haben nie zu einer wirklichen, substantiellen Auseinandersetzung geführt, auch wenn einige Analytiker der APF1, angefangen mit Laplanche und Rosolato, stark von Lacan geprägt, ja inspiriert blieben.
Aber Psychoanalyse ist eben genau keine Sache der Theorie, sondern des praktischen Tuns. Hier könnte der Punkt sein, an dem auf Weber und dessen Unterscheidung von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik einzugehen wäre:
»[…] alles ethisch orientierte Handeln [kann] unter zwei voneinander grundverschiedenen, unaustragbar gegensätzlichen Maximen stehen: es kann »gesinnungsethisch« oder »verantwortungsethisch« orientiert sein. […] es ist ein abgrundtiefer Gegensatz, ob man unter der gesinnungsethischen Maxime handelt […] oder der verantwortungsethischen […].« Während sich der Verantwortungsethiker »nicht in der Lage [fühlt], die Folgen eigenen Tuns […] auf andere abzuwälzen«, »fühlt sich der Gesinnungsethiker nur dafür [»verantwortlich«], daß die Flamme der reinen Gesinnung […] nicht erlischt«(Weber 2014 [1919], S. 81 f.).