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Liebe Claire-Marine François-Poncet1, zunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich bedanken für die Einladung, einen Kommentar zu verfassen zu dem Text, den Laurence Kahn vorgetragen hat. Und vielen Dank auch an Laurence Kahn für diesen Vortrag, der mich zu den nun folgenden Gedanken inspiriert hat. Bitte missverstehen Sie diese einleitende Bemerkung nicht als reine Höflichkeit, sie ist mehr als das. Wenn wir einen Text schreiben, können wir leicht beobachten, ob wir uns von den Personen, an die wir uns richten, unterstützt fühlen. Als ich nun an meinem Kommentar gearbeitet habe, dachte ich an die Teilnehmer dieses Forums und sagte mir: »Sie werden mir mit Wohlwollen zuhören.« Es ist sehr viel leichter, mit solch einer Haltung im Kopf einen Text zu verfassen.
Bevor ich mit meinen Ausführungen zu Kahns Text beginne, möchte ich eine zweite persönliche Anmerkung hinzufügen, die meine eigenen psychoanalytischen Ursprünge betrifft. Als Deutscher habe ich meine Ausbildung hier in Berlin an einem anglophil geprägten Institut durchlaufen (Klein, Winnicott). In meiner Jugend war ich allerdings begeistert von Lacan und studierte deshalb auch sein Werk in Paris, bis ich schließlich nachhaltig von Jean Laplanche beeinflusst wurde, mit dem mich über 20 Jahre eine innige Beziehung verband. So kam es, dass ich viele seiner Arbeiten ins Deutsche übersetzt habe. Die Fragen, mit denen wir es hier zu tun haben - die Pluralität psychoanalytischer Kulturen bzw. Sprachen und die Auswirkung dieser Pluralität auf die »Wahrheit« -, beschäftigen mich folglich tagtäglich und manchmal mehr, als mir lieb ist.
Ich möchte drei Gesichtspunkte ausarbeiten: Zunächst versuche ich, die wichtigsten Thesen nachzuzeichnen, die Kahn in ihrem Beitrag entwickelt hat; anschließend werde ich den Begriff der Wahrheit, einen Leitbegriff ihres Textes, diskutieren und am Ende werde ich einen Schritt weiter gehen in der Richtung, die sie einschlägt, und zwei Begriffe miteinander vergleichen: die psychische Realität