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Politische Auseinandersetzungen in der Gegenwart werfen die Frage auf, ob Toleranz als kulturelles Gebot derzeit Geltung besitzt. Toleranz bezieht sich auf die Haltung gegenüber Anderen, Fremden, Schwächeren, mit denen man zwar eine Lebenswelt gemeinsam hat, die aber abgelehnt werden. Die Autorin führt an die innere Widersprüchlichkeit von Toleranz erst über Lessings »Nathan der Weise«, dann über einige Aphorismen bei Nietzsche heran. Sie zeigt, dass Toleranz erfordert, eigene aggressive Impulse mäßigend zu handhaben und Abgelehntes zu respektieren. Gleichwohl ist das Erscheinungsbild der Toleranz unbestimmt. Es ergibt sich aus einer für praktizierte Toleranz eigentümlichen Dynamik in der Beziehung von Macht zu Aggression. Zur Untersuchung dieser Dynamik wird auf Alexander Mitscherlichs Überlegungen zur Toleranz von 1964 und seinen triebpsychologischen Ansatz zurückgegriffen. Von dort aus lässt sich eine Wechselbeziehung zwischen Toleranz und Intoleranz entwerfen, durch die aggressiv enthemmtes Reagieren auf der Basis von Klischeebildung das Toleranzgebot in Frage stellt.