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»Wer Biograph wird, verpflichtet sich zur Lüge, zur Verheimlichung, Heuchelei, Schönfärberei und selbst zur Verhehlung seines Unverständnisses, denn die biographische Wahrheit ist nicht zu haben, und wenn man sie hätte, wäre sie nicht zu brauchen.« Mit diesem oft zitierten Verdikt reagierte Freud 1936 auf die Ankündigung Arnold Zweigs, eine Biographie über ihn schreiben zu wollen. Es spricht viel dafür, dass Freuds ablehnende Haltung persönlicher Natur war und sich eher gegen Zweigs Projekt richtete denn gegen die Biographik an sich. Gegen die hatte er eigentlich wenig einzuwenden - im Gegenteil, er dachte groß von den Möglichkeiten der biographischen Forschung. Mit der Studie über Leonardo da Vinci hatte er selbst Maßstäbe zu setzen versucht. Noch 1930 spricht er in der Einleitung zur psychologischen Studie über Woodrow Wilson davon, dass es »Wege gibt, die von einer intimeren Kenntnis des Mannes zu einer besseren Würdigung seines Werkes führen«.
Freuds Skepsis galt nicht den Biographen, sondern in erster Linie seinen Biographen. Bekanntlich stieß bei ihm schon die erste, 1924 von Fritz Wittels geschriebene Biographie auf wenig Gegenliebe. Freud sträubte sich mit Händen und Füßen gegen das Buch. Bis zum Lebensende war er der Überzeugung, noch nicht den ›richtigen‹ Biographen gefunden zu haben. Dass man über ihn dereinst eine Biographie schreiben wird, damit kokettierte schon der 29-jährige, noch unbekannte Freud, der spektakulär seine Briefe und Manuskripte vernichtete und seiner Verlobten schrieb: »Die Biographen […] sollen sich plagen, wir wollen's ihnen nicht zu leicht machen«.
Freuds Wunsch ging in Erfüllung, die Biographen haben sich geplagt. Über Freuds Leben und Werk ist viel und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven geschrieben worden. Man denke an die umfangreiche Darstellung seines Schülers Ernest Jones, an die Arbeiten Siegfried Bernfelds oder, aus jüngerer Zeit, an die Biographie von Peter Gay; man denke an die kritischen Biographien von Paul Roazen (Fr