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Kohons neues Buch über die ästhetische Erfahrung kommt dem wachsenden Interesse an der Beziehung zwischen Psychoanalyse und Kunst - und anderen Disziplinen - entgegen, ist aber auch darüber hinaus außergewöhnlich. Kohon erforscht die emotionale Irritation, die durch ein künstlerisches oder literarisches Objekt beim Betrachter oder Leser hervorgerufen wird. Es ist die verwirrende, unheimliche Mischung von Vergangenheit und Gegenwart, von Irrationalität und rationalen Anstrengungen unserer Wahrnehmung, die in uns ein Gefühl von Verfremdung erzeugt.
Außergewöhnlich ist auch die Verschiedenartigkeit der Künstler und der Kunstobjekte, über die reflektiert wird: die Skulpturen von Louise Bourgeois, Franz Kafkas Fragment »Der Bau«, Installationen und eine spanische Kurzgeschichte von Juan Muñoz, eine römische Barockkirche von Borromini, Werke des kalifornischen Bildhauers Richard Serra, Gemälde von Edvard Munch und das Warschauer Ghetto-Denkmal. Sie alle sind inhaltlich verbunden durch das grundlegende Phänomen des Unheimlichen, wie Freud es verstand, als Wiederkehr von Verdrängtem. Es mutet immer zugleich fremd und vertraut an und kann nicht nur erschrecken und abschrecken, sondern auch aufregen und faszinieren, wenn eine gewisse Offenheit und Unerschrockenheit da ist, ein Kunstwerk nicht primär intellektuell ›verstehen‹ zu wollen, sondern sich von ihm emotional involvieren zu lassen. Damit ähnelt die ästhetische Erfahrung der einer Psychoanalyse.
Der Autor betrachtet künstlerisches Schaffen als Hilfe für die Psychoanalyse, weil es über das rationale Erfassen hinausgeht. Er betont die Eigenständigkeit und die Gemeinsamkeiten von Kunst und Psychoanalyse, beachtet verschiedene lokale Einflüsse, versieht mögliche Deutungen respektvoll mit Fragezeichen und zieht die treffendsten Zitate heran. So weist er etwa anhand von Louise Bourgeois' Arbeiten mit dem Titel Lairs (Höhlen) auf die Notwendigkeit der Differenzierung hin: es gibt nicht nur einen pathologischen Rückzug, wie ihn J