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Mit dem hier vorliegenden Doppelheft greift die Psyche ein Thema auf, das in der deutschsprachigen Psychoanalyse bisher wenig bearbeitet und kaum in bestehende Theorien integriert wurde. Deutsche Veröffentlichungen liegen bisher überwiegend in kinderpsychiatrischen und familientherapeutischen Zeitschriften vor, ergänzt durch einige Herausgeberbände, die meist ein recht breites Spektrum an Themen innerhalb der Geschwisterthematik abdecken, und eine überschaubare Anzahl an Monographien. In diesen Veröffentlichungen gewinnen die positiven, entwicklungsfördernden Aspekte der Geschwisterbeziehung zunehmend an Bedeutung, während in der Psychoanalyse lange und teilweise bis heute negative Aspekte wie Neid, Eifersucht und Rivalität im Vordergrund stehen.
Die Geschwisterbeziehung ist - im besten Fall - eine lebensbegleitende Beziehung von großer Vertrautheit. In der Kindheit sind Geschwister Spielgefährten, Streitpartner, Konkurrenten, Identifikationsobjekte und mögliche Verbündete in Auseinandersetzungen mit Erwachsenen. Mit ihren Geschwistern verbringen Kinder mehr Zeit als mit ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen. Diese horizontale oder laterale Beziehungsdimension findet ihre Fortsetzung in den Beziehungen zu Gleichaltrigen im Kindergarten, in der Schule und in Gruppen jedweder Art. Geschwister sind - soweit sie in der frühen Kindheit bereits vorhanden sind - neben den Eltern wichtige Primärobjekte mit einer für das Kind horizontalen Triangulierungsfunktion. Während im klassischen ödipalen oder präödipalen Dreieck die Eltern auf einer Ebene dem Kind gegenüber positioniert sind, sind die Kinder in der »geschwisterlichen Triangulierung« auf einer Ebene gegenüber einem Elternteil oder beiden Eltern positioniert. Die Bedeutung dieser Beziehungsebene bzw. dieses Beziehungsdreiecks für die Entwicklung von Emotionen und Emotionsregulierung, für die Mentalisierungsfähigkeit und die Identitätsbildung ist erst ansatzweise untersucht und verstanden. Und um mögliche Einwände glei