You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Geschwisterbeziehungen sind die am längsten währenden familiären Beziehungen, die Menschen haben, nicht selten intimer als die zu Eltern, Partnern oder eigenen Kindern. Weitgehende Einigkeit scheint unter zeitgenössischen Psychoanalytikern darin zu bestehen, dass neben der vertikalen Linie der Eltern-Kind-Beziehungen und der hiermit verbundenen präödipalen, ödipalen und adoleszenten Individuationskonflikte die horizontale Geschwisterdynamik ein eigenständiges Beziehungssystem mit genuinen Erfahrungsräumen und entsprechendem Entwicklungspotential darstellt.
Lange Zeit war Hans Sohni in dieser Angelegenheit ein »Rufer in der Wüste«. Außer ihm beschäftigten sich nur wenige Psychoanalytiker in Deutschland mit der Thematik. In seinem letzten, zusammenfassenden Buch Geschwisterdynamik (, 2. Aufl. ) gibt er einen hervorragenden Überblick über die Entwicklung der Thematik, die entwicklungspsychologische Forschung, familiendynamische Perspektiven und vor allem das wenig beleuchtete Thema der Geschwisterbeziehungen in späteren Lebensphasen, das er in dem Tagungsband der Zeitschrift Psychoanalytische Familientherapie zur Geschwisterthematik weiter ausarbeitet. Während häufig die »schwierigen« oder destruktiven Aspekte der Geschwisterbeziehungen (Entthronung, Neid, Rivalität, Hass) im Vordergrund stehen, arbeitet er die »positiven«, entwicklungsfördernden Aspekte z.B. bezüglich der Mentalisierungsfähigkeit oder der Resilienz heraus. Auch die psychodynamischen Aspekte, angefangen mit der Übertragungs-Gegenübertragungs-Dynamik, werden beleuchtet.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Sammelband Bruderheld und Schwesterherz, herausgegeben von Inés Brock, erkennbar am Untertitel: Geschwister als Ressource. Der Band besticht durch seine breite Aufstellung bezüglich