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In der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule galt die Freud'sche Theorie als integrales Instrumentarium ihrer sozialwissenschaftlichen Untersuchungen. Für Theodor W. Adorno fungierte die Psychoanalyse nicht nur als unverzichtbarer Baustein der Erkenntnis, sondern sollte auch in praktisch-politischer Hinsicht zur Prävention gegenüber autoritären Gefährdungen der Gesellschaft beitragen. Adorno übernahm schon in seiner Antrittsvorlesung (1931) den Begriff der »Deutung« als einen zentralen für seine eigene dialektische Philosophie. Zugleich aber hatte er gegenüber der Psychoanalyse auch deutliche Vorbehalte. Diese bezogen sich nicht nur auf den Kulturalismus der Neofreudianer, sondern auch auf bestimmte Aspekte der Freud'schen Theorie selbst und auf die therapeutische Praxis. Seine Kritik ist vor dem Hintergrund der Medizinalisierung und Soziologisierung in der amerikanischen Psychoanalyse der 1940er Jahre einzuordnen. Trotz einiger Überzeichnungen seiner Kritik enthält Adornos Skizzierung einer »Psychoanalyse der heute prototypischen Kultur« Gedanken zur Dialektik von psychischer Krankheit und Gesundheit in gesellschaftskritischer Perspektive, die nach wie vor bedenkenswert erscheinen.