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Sigmund Freuds Vermächtnis enthält zwei Auffassungen über menschliche Destruktivität und deren verschiedene Ausdrucksformen wie Grausamkeit, Hass, Attacken gegen sich selbst, Krieg etc. Nach der ersten, früheren Auffassung ist Aggression ein »Element« des Sexualtriebes, das sich in Form von Sadismus und Masochismus äußert. In der zweiten, späteren Auffassung, die sich mit der Arbeit »Jenseits des Lustprinzips« zu entwickeln begann, vertritt Freud den Standpunkt, dass einer der beiden ursprünglichen Triebe der Todestrieb ist, d.h. eine auf das Selbst gerichtete, passive Destruktivität. Auch wenn diese Zugänge widersprüchlich zu sein scheinen, bieten sie doch heuristische Modelle zur Erklärung klinischer und sozialer Phänomene. In seinem Beitrag versucht der Autor zu zeigen, wie die Theorie des Todestriebes das Verständnis solcher Phänomene wie Grausamkeit und Verlust verändert. Freud hat nicht nur seine Sichtweise auf diese Phänomene im Lichte der neuen Theorie über menschliche Destruktivität verändert, vielmehr kam er zu diesen veränderten Ansichten im Nachdenken über Erfahrungen, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte. Dessen eingedenk lassen sich sowohl die innere Kohäsion im Freud'schen System als auch dessen Veränderungen unter dem Einfluss neuer empirischer Belege aus dem Bereich klinischer und sozialer Forschungen besser verstehen.