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Hannah Arendt bezog sich auf Taktiken des Stalin-Regimes, als sie bemerkte: »Alle Fakten, die sich mit der offiziellen Fiktion nicht vertrugen oder sie womöglich hätten widerlegen können […], wurden behandelt, als existierten sie nicht« (Arendt 1979, S. 643). Da ging sie nicht davon aus, dass selbst in einer intakten Demokratie totalitäre Züge hervortreten können, wie die politische Situation derzeit in den Vereinigten Staaten unter ihrem amtierenden Präsidenten zeigt. Jeder fiktionalisierende Angriff auf die Wirklichkeit löst aber Verunsicherung aus und gewinnt innerpsychisch an Einfluss, wenn Abwehrmechanismen der Spaltung, Projektion, Verleugnung und Idealisierung das politische Urteilsvermögen der Subjekte beeinträchtigen.
Die Beiträge - vorwiegend britischer Autoren - zum vorliegenden Sammelband über die Problematik, Vielgestaltigkeit und Heimtücke des Totalitarismus gehen von Erfahrungen der seelischen Beeinträchtigung aus. »Totalitarismus« erfasst nach dem Verständnis der Herausgeber Matt Ffytche und Daniel Pick Regime wie europäische Varianten des Faschismus, den Nationalsozialismus, den Stalinismus und - zunächst überraschend - den Kalten Krieg in der Nachkriegswelt. Alle diese Varianten des Totalitarismus schließen Grausamkeit und Destruktivität gegenüber dem Einzelnen wie auch im gesellschaftlichen Ganzen ein, und mit dem Kalten Krieg wird hierauf reagiert. Die Psychoanalyse verspricht einen grundlegenden Zug des Totalitarismus zu erhellen, indem von ihr die Art und Weise der innerpsychischen Beeinflussung - der Implantierung von Überzeugungen, der Bereitschaft zu Grausamkeit, des Willens zur Vernichtung - seiner Akteure »von innen her« erschlossen werden (vgl. Pick & Ffytche, S. 10). In den totalitären Zugriff auf Macht ist einkalkuliert, dass immer schon psychische Mechanismen bereitliegen, die es ermöglichen, dem zerstörerischen Werk der Machthaber »entgegenzuarbeiten« (Ian Kershaw). Denn die Subjekte gehen nicht ohne unbewusstes Entgegenkommen auf ihre