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Im Verlauf des Ersten Weltkriegs setzte sich im psychiatrischneurologischen Verständnis der Kriegsneurosen und in ihrer Behandlung das psychogene Paradigma durch. Einige Freudianer haben behauptet, dass dabei unter der Hand psychoanalytische Konzepte verwendet wurden. Dies wird durch neutrale Autoren bestätigt. Aber die Adoption beschränkte sich auf frühe Konzepte wie das der »Flucht in die Krankheit«, die mit der Lehre des Mainstreams kompatibel waren. Die Analytiker selbst haben sich der breiten Fachdiskussion zum Thema lange entzogen. Als sie sich mit den Kriegsneurosen befassten, 1918 auf dem Budapester IPV-Kongress, kamen sie schon zu spät. Ihre Versuche, eine sexuelle Ätiologie aufzustellen, fielen nicht überzeugend aus und wurden sogar von Freud desavouiert. Es gab jedoch einige schulexterne Ärzte, die über erfolgreiche Behandlungen mit der »psychoanalytischen« Methode, allermeist in ihrer kathartischen Urform, berichteten. Der wichtigste war Ernst Simmel, der daraufhin in die Freud-Schule aufgenommen wurde. Entgegen einer verbreiteten Annahme ist zu betonen, dass »geheilte« Kriegsneurotiker spätestens ab 1916 gewöhnlich nicht mehr an die Front zurückgeschickt wurden.