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Die Arbeit von Sverre Varvin (2018) ist gut geeignet, die manchmal zu hörende Einschätzung zu entkräften, Psychoanalytiker würden zu wenig zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen Stellung nehmen, eine Beobachtung, deren Hintergründen Parin bereits 1978 nachgegangen ist. Varvin hat sich seit 1990 in seiner therapeutischen Arbeit mit Migranten und in seiner Forschung mit der Analyse der psycho-physischen Traumafolgen von Migranten beschäftigt, die nach Europa kommen und unsere Kenntnisse und Unterstützung brauchen. Er arbeitete zunächst im 1990 an der Universität Oslo gegründeten »Psychosocial Centre for Refugees« mit den Schwerpunkten Therapie, Forschung und Lehre, das sich 2004 zu einem ausschließlichen Forschungsinstitut entwickelte, dem »Norwegian Centre for Violence and Traumatic Stress Studies«. Bis heute arbeitet Varvin in seiner eigenen Praxis mit Migranten und forscht im Rahmen seiner Professur in Oslo und Akershus über die oftmals katastrophalen psychosozialen Bedingungen von Flüchtlingen und über Behandlungsprozesse mit traumatisierten Flüchtlingen.
In der vorliegenden Arbeit beschreibt er zunächst die innere Situation des gegenwärtigen Islam und versteht dessen gegenwärtige Krise nicht nur im Spannungsfeld von östlichen und westlichen Religionen und Kulturen, sondern auch als Ausdruck immanenter Spaltungen zwischen modernistischen und traditionalistischen Strömungen im Islam selbst. Er verweist außerdem auf die lange Geschichte der europäischen Islamophobie, die durch die Radikalisierung des islamischen Fundamentalismus neue Nahrung und Verschärfung erfahren hat und rechtsextremen Strömungen in Europa und in den USA dazu dient, Rassismus, Fremdenhass und Gewalt schamlos zu legitimieren. Ich werde darauf zurückkommen.
Wenn Psychoanalytiker das Terrain soziokultureller und politischer Bewegungen betreten, sind sie mit einigen methodischen Schwierigkeiten konfrontiert, die es erforderlich machen, zunächst die Ergebnisse der Nachbardisziplinen her