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Dagmar Herzog ist Historikerin mit einem Schwerpunkt auf der Geschichte der Sexualität. Sie lehrt an der City University of New York und ist auf beiden Seiten des Atlantiks zu Hause. In ihrem neuen Buch hat sie die Geschichte der Psychoanalyse nach dem Zweiten Weltkrieg in drei Teilen verdichtet. Im ersten Teil, »Leaving the World Outside«, beschäftigt sie sich mit der Blütezeit und dem Niedergang der Psychoanalyse in den USA in der Zeit des Kalten Krieges. Danach untersucht sie in »Nazism's Legacies« die Nachwirkungen des Nationalsozialismus und Holocaust diesseits und jenseits des Atlantiks. Im dritten Teil, »Radical Freud«, konzentriert sich Dagmar Herzog auf die Öffnung der Psychoanalyse für Politik und Gesellschaft in Europa in den 1960er und 1970er Jahren.
Im ersten Teil rückt das erste Kapitel, »The Libido Wars«, die bisher wenig beachtete Verbindung von Kirche und Psychoanalyse bei der Entwicklung der Nachkriegspsychoanalyse in den USA in den Fokus. Die Psychoanalyse gerät auf dem Höhepunkt ihrer Popularität in eine Auseinandersetzung mit prominenten Kirchenmännern, in deren Verlauf es zu ihrer »Christianisierung« kommt. Um sich dem Vorwurf des »Pansexualismus« von Seiten der Kirche zu entziehen, legten sich maßgebliche Vertreter des psychoanalytischen Mainstreams auf einen konservativen und konformistischen Wertekanon fest. In dessen Mittelpunkt standen die Verurteilung der Homosexualität und das Bekenntnis zur konservativen Rolle der Frau. Parallel dazu wurde das subversive Potential der Psychoanalyse aufgegeben; bedeutende Persönlichkeiten in der psychoanalytischen Gemeinschaft hatten das Interesse verloren, die komplexen Zusammenhänge zwischen Individuum und Gesellschaft zu untersuchen. »The Libido Wars« bezieht sich auch auf die Auseinandersetzungen mit Vertretern der Neo-Psychoanalyse, insbesondere mit Karen Horney. Die Autorin stellt in diesem Teil auch das Konzept der Sexualität bei Horney vor, das liberal blieb und keine misogynen und homophoben Eins