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Das Konzept der Mentalisierung ist in den 1990er Jahren von der Londoner Gruppe um Peter Fonagy und Mary Target entwickelt worden. Darauf basierende Psychotherapieverfahren haben sich inzwischen vor allem in Großbritannien, in den skandinavischen Ländern, in Deutschland und in Frankreich etabliert. Dabei verzichtet das Mentalisierungskonzept, obwohl aus der modernen Psychoanalyse hervorgegangen, weitgehend auf psychoanalytisches Vokabular und sucht eher Anschluss an die modernen Humanwissenschaften, die alle das Paradigma von der intersubjektiven Natur des Seelenlebens miteinander teilen: an die Säuglings- und Bindungsforschung; an die Kognitionswissenschaft, die in ihrer avancierten Form von naturalistischen und reduktionistischen Theorien der Psyche Abschied genommen hat; an die philosophischen Tradition der theory of mind; an die Forschungsergebnisse der evolutionären Anthropologie, wie sie etwa die Gruppe um Michael Tomasello zum Kommunikationsverhalten und Spracherwerb vorgelegt hat; und nicht zuletzt an die Entwicklungen einer relationalen Psychoanalyse. Erkenntnisleitend ist der gemeinsame Grundgedanke, dass die individuelle Psyche nicht aus sich selbst heraus entsteht, sondern in der Interaktion mit anderen Menschen und mit der physischen wie der sozialen Umwelt.
»Mentalisieren« bedeutet die basale Fähigkeit, aus dem Handeln, aus der Sprache, aus der Gestik und Mimik anderer Menschen auf deren seelische Innenwelt zu schließen und auch das eigene Verhalten in mentalen Begriffen zu verstehen, d. h. als Ausdruck von Bedürfnissen und Wünschen, von Gefühlen und Gedanken, von Hoffnungen und Sehnsüchten, aber auch von Ängsten, Befürchtungen oder anderen negativen Affekten. Ist der Erwerb der Mentalisierungsfähigkeit gestört, entwickeln sich strukturelle Störungen im Bereich der Selbstregulierung, insbesondere im Selbstwert- und Sicherheitsgefühl, die mit Störungen im sozialen Interaktions- und Beziehungsgefüge einhergehen. Mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT