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»Micky Maus ist das schändlichste Vorbild, das je erfunden wurde … Das gesunde Empfinden sagt jedem denkenden Heranwachsenden und jedem rechtschaffenen Jüngling, dass dieses ekelhafte, schmutzige Ungeziefer, dieser größte Bakterienüberträger im ganzen Tierreich niemals ein vorbildliches Tier sein kann … Schluss mit der Verrohung der Völker durch die Juden! Nieder mit Micky Maus! Tragt das Hakenkreuz!« (aus einem Artikel der Pommerschen Zeitung, Mitte der dreißiger Jahre, zit. nach Spiegelman 1992, S. 3).
Als ich vor vielen Jahren in einer Buchhandlung Art Spiegelmans Comic Maus entdeckt habe, fühlte ich mich wie magnetisch angezogen. Ein so erdrückendes Thema zeichnerisch bearbeiten? Es war der erste Comic in meinem Leben. Ich dachte sofort an Death Mills, einen Dokumentarfilm meines Vaters, der als Prager Jude drei Emigrationen in seinem Leben bewältigen musste: von Prag 1938 in die USA, 1950 in die CSSR und 1968 nach Deutschland. Er nahm als amerikanischer Filmemacher 1945 den Auftrag an, zahlreiche Filme, die von GIs bei den Öffnungen der KZ mit Handkameras zu Dokumentationszwecken gedreht worden waren, zu sichten und zu schneiden. So entstand der Film Death Mills, deutsch: Die Todesmühlen (Archiv des Filmmuseums München). Zu dieser Zeit konnte er nur ahnen, wie viele seiner Verwandten ermordet worden waren. In den Nächten schrie er sein Entsetzen hinaus. In mein Gedächtnis haben sich diese Erfahrungen tief eingegraben. Als Tochter eines Prager Juden und einer Frau aus einer preußischen Offiziersfamilie bin ich bis 1968 in Prag aufgewachsen. Viele Demütigungen, das häufige Bloßgestelltwerden und die Häme, die meine Mutter als Deutsche in der Tschechoslowakei erleiden musste, lösten in mir als Kind große Schuldgefühle aus, da ich aus dem permanenten Loyalitätskonflikt, »zu wem ich halten soll« (Mutter deutsch, Vater tschechisch), lange keinen Ausweg gefunden habe. Der hörbare Akzent in meinem Deutsch zeugt bis heute von diesem alten Konflikt; ein emotionales Erbe,