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Ob Psychoanalyse Wissenschaft sei und welche, wird ihr zweifelnd entgegengehalten. Viel hängt davon ab: Ob sie Biologie, Sozial- oder Kulturwissenschaft sei oder ein Mixtum compositum, worüber sie Aussagen macht, welche Stimme ihr im Konzert der Wissenschaften zukommt, mit welcher Autorität sie auftreten kann und, last but not least, ob sie kassenfinanziert bleibt oder nicht. Erfolge sind empirisch gut belegt, sie hat neue Zweige wie Neuropsychoanalyse austreiben können - aber welches Wissenschaftsformat passt?
Ein Teil der Antwort ist: mehrere. Formate anderer Wissenschaften werden vorgestellt, Praktiken der Psychoanalyse beschrieben und beides schließlich auf Passung geprüft. Wir haben es beim vorliegenden Band nicht mit einem Herausgeberband zu tun; aus der Zusammenarbeit von Philosophen und Psychoanalytikern, teils in Personalunion, ist ein anregender gemeinsamer Text entstanden. Die Interdisziplinarität mit Verständnis für fachliche Fremdsprachen gibt dem Buch Tiefe und zugleich Leichtigkeit, die Aufmerksamkeit wird gut lesbar in wissenschaftstheoretische Voraussetzungen, klinische Tiefen und unterirdische Passungsverhältnisse geführt.
Zunächst wird ein »Denken in Fällen« sondiert, das es auch in anderen Bereichen (z. B. Jura oder Politologie) gibt; auch die Wissenschaftstheorie selbst erkannte Paradigmakrisen historisch an Einzelfällen. Wissenschaftliche Praktiken entwickeln Lernfähigkeit am einzelnen Fall, dem unerwartete Einsichten abgerungen werden.
Das zweite Kapitel führt das Konzept des Mediums ein. Die Praxis der Psychoanalyse ist mündlich, ihre Theorie jedoch schriftlich. Auseinandersetzung über theoretische Konzepte gibt es meist gedruckt, weniger durch genaue Dokumentation, was man tatsächlich tut (vor der Konzeptualisierung); genaue Transkripte dessen, was in Behandlungszimmern geschieht, sind selten. Wissen zirkuliert durch Medien der Mündlichkeit, dann der Schriftlichkeit in Form von Notizen und Protokollen, Abfassung von Publikationen, Vorträgen auf