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Herr Zierfeld, ein ehemals erfolgreicher Rallye-Fahrer, der wegen phobischer Angstzustände beim Autofahren eine Therapie begann, erinnert sich: Als Zehnjähriger musste er öfters den betrunkenen Vater aus der Kneipe heimholen, mit dem Familienauto: »Die Mutter schob ihm ein Kissen unter den Hintern und setzte ihm Vaters Hut auf, damit das Kind am Lenkrad nicht zu sehr auffiel.« Vergleichbare Erinnerungen hat der Arztsohn Havelberg, dessen Vater für die Familie nie Zeit hatte. Das Resultat: »Ich war für sie [die Mutter] eine Art Ehemann-Ersatz …«
In seinem lesenswerten neuen Buch leuchtet Mathias Hirsch ein Spektrum sexualisierter Mutter-Sohn-Beziehungen aus, das von latent erotisierten emotionalen Abhängigkeiten bis zum vollzogenen Inzest reicht. Die Thematik wurde bislang unter dem Aspekt des väterlichen Missbrauchs der Tochter aufgegriffen. Jungen und Männer öffnen sich seltener als weibliche Opfer, weil ihre »immer noch ›männliche‹ Sozialisation ihnen verbietet, sich als Opfer zu bekennen und so schwach zu erscheinen«.
Hirschs Analyse mütterlicher Übergriffe deckt das Wechselspiel zwischen zwei Schlüsselphänomenen auf: das ödipale Dreieck und den weiblichen Fetischismus. Trotz kritischer Distanz gegenüber Freud knüpft Hirschs Fetischbegriff ungewollt an das Konzept des Erfinders der Psychoanalyse an, der in seinem Aufsatz von 1927 erklärt, der Fetisch sei der Ersatz für den Phallus des Weibes (der Mutter). Gestützt durch anregende Lektüren (u. a. der Französin Christiane Olivier sowie der frühen ungarischen Analytikerin Lillian Rotter), arbeitet Hirsch eine selten thematisierte Dimension der weiblichen Spielart des Fetischismus heraus. Während der perverse Mann seinen Fetisch in einem »äußeren Partialobjekt« (etwa einem Pantoffel) findet, zielt das Verhalten der perversen Mutter auf »ein Objekt, das sie als von sich selbst erschaffen betrachtet: ihr Kind«. Hirsch umkreist einen Symptomkomplex, bei dem die Mutter sowohl das Geschlecht als auch das Geschlechtsorgan ih