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Seit in der Renaissance herausragende Künstler in den Rang des »Alter Deus« erhoben wurden und seit dem Geniekult späterer Jahrhunderte umranken die Nobilitierten Mythen und zuweilen bis in Groteske gesteigerte Verehrung. Freilich waren die Künstler, denen jene höchsten Ehren zuteilwurden, nicht unbeteiligt an derartiger Stilisierung. Im 20. Jahrhundert gehört Paul Klee in den Augen seiner Verehrer zu den genialen, beinahe göttlichen Lichtgestalten, wobei der Künstler selber nicht unwesentlich zur Selbstmystifizierung beigetragen hat. In seiner biographisch und kulturhistorisch inspirierten Studie dekonstruiert Manfred Clemenz die inneren Mechanismen dieser Mythenbildung.
Er verbindet bei seiner Annäherung an den Mythos Paul Klee ein außerordentlich breites wissenschaftliches Spektrum. Sein methodisch-analytischer Ansatz reicht von biographischen Analysen über kunstgeschichtliche und kulturhistorische Untersuchungen bis zu ikonographischen Interpretationen und psychoanalytischen Überlegungen zur Psychodynamik des Künstlers. Es geht ihm um ein neues Verständnis der Künstler-Werk-Relation »jenseits des Mythos« (S. 78). Als Professor em. für Soziologie und Sozialpsychologie, als Biographieforscher, klinisch-psychoanalytischer Therapeut und, last not least, als Kunsthistoriker und Künstler steht dem Autor das methodische Repertoire zur Verfügung. Er überwindet damit die Engführungen, die die jeweiligen Einzeldisziplinen in ihren Kunst- und Biographieanalysen auszeichnen.
Der Arbeit am Mythos (Blumenberg) ist ein Zitat aus den Tagebüchern Klees als Motto vorangestellt: »Kann ich denn sterben. Ich Kristall. Meiner Kunst fehlt leidenschaftliche Art der Menschlichkeit […]. Ich bin kosmischer Anhaltspunkt, nicht Species« (S. 9). Die bizarren Elemente des Zitats laden Leser, zumal Psychoanalytiker, dazu ein, spontan spekulative Deutungen und Diagnosen zu entwickeln. Clemenz geht demgegenüber anders vor: Er verortet die Elemente »Kristall«, »fehlende Menschlichkeit« und die »kos