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Neben den bereits veröffentlichten großen Freud-Briefwechseln mit u.a. Jung, Ferenczi, Jones oder Abraham erscheinen in den letzten Jahren immer weitere, kürzere, weniger zentrale Briefwechsel zwischen Freud und seinen Kollegen, Verwandten oder Freunden. Jeanne Lampl de Groot, geboren 1895 in Holland als Adriana de Groot, war eine Freundin der Freud-Familie und wurde nach ihrer Analyse bei Freud zur Kollegin und Freundin, der Freud Patienten überwies und an deren Privatleben er regen Anteil nahm. Sie befreundete sich mit der gleichaltrigen Anna Freud und heiratete den Freund der Freud-Kinder Hans Lampl, der zunächst Freuds Tochter Sophie, dann Anna hatte ehelichen wollen. So wurde sie indirekt zu einem Mitglied der Familie Freud und über die Jahre auch zu einer Vertrauten Freuds.
Freud adressierte sie vom vierten Brief an bis zum Schluss mit »Meine liebe Jeanne«. Der Briefwechsel umfasst 76 Briefe Freuds und endet mit ihnen, da Anna Freud nach dem Tod ihres Vaters die Briefe Jeanne Lampl-de Groots vernichtete. Anna Freud hatte angenommen, dies werde dem Wunsch Lampl de Groots entsprechen. So würde die Stimme Lampl-de Groots ganz fehlen, wenn nicht die Herausgeberin Gertie F. Bögels von der Tochter Lamplde Groots, Edith Berkovits-Lampl, eine Reihe von ausführlichen und intimen Briefen Jeannes an ihre Eltern bekommen hätte, die die Zeit kurz vor und dann während ihrer ersten analytischen Erfahrung bei Freud, von September 1921 bis April 1923, umfasst. Sie wurden in Auswahl in das Buch aufgenommen und geben einerseits einen Eindruck von Lampl-de Groots Gefühlen und Einstellungen und andererseits einen interessanten Einblick in die Atmosphäre der Wiener psychoanalytischen Gruppe 1922/23.
Sie sind zum Beispiel Zeugnis der Heilsgläubigkeit an die Wirkkraft der Psychoanalyse, die insbesondere unter den nach 1938 in die USA geflüchteten Wiener Psychoanalytikern noch viele Jahrzehnte anhalten sollte und dort zur Grundlage der sogenannten orthodoxen Psychoanalyse wurde. Wenn La